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Lujains Geschichte

Widerstandskraft und Menschlichkeit

Als Gewalt Lujain zwang, aus Homs zu fliehen, blieben ihr nur Mut und Hoffnung. Ihre Suche nach Sicherheit wurde zu einer Aufgabe: Gemeinsam mit dem UNHCR unterstützt sie Frauen, Kinder und vertriebene Familien in ganz Syrien. Mit Widerstandskraft und Mitgefühl machte sie aus ihrer eigenen Fluchtgeschichte ein Vermächtnis des Schutzes.

Lujain steht draussen in der Abendsonne, sie trägt einen blauen UNHCR-Pullover.
Lujain sitzt draussen auf einem Felsen und hält ein Baby in den Armen. Sie lächelt.

Leben wieder aufbauen, Hoffnung zurückgeben

Nach vierzehn Jahren Konflikt beginnen vertriebene Syrer und Syrerinnen, nach Hause zurückzukehren – manche aus anderen Regionen innerhalb Syriens, andere als Geflüchtete aus Nachbarländern. Vor ihnen liegt ein langer Weg des Wiederaufbaus. Für Lujain ist es mehr als ein Job, sie dabei zu unterstützen – es ist eine Berufung.

Zur Flucht gezwungen

„Meine Familie kommt aus Homs, einer der Städte, die zu Beginn des Konflikts in Syrien am stärksten betroffen waren“, erinnert sich Lujain. „2011 eskalierte die Gewalt – Bombardierungen, Angst und Unsicherheit umgaben uns. Wir hatten keine andere Wahl, als alles zurückzulassen und nach Damaskus zu fliehen, um unser Leben zu schützen. Unser Zuhause zu verlassen war herzzerreissend, aber Überleben war die einzige Möglichkeit.“

In Damaskus anzukommen fühlte sich an wie ein Schritt ins Unbekannte. „Ich kannte keine anderen, hatte keine Freunde und Freundinnen, und die Strassen waren mir fremd. Alles fühlte sich ungewohnt an – ich war eine Fremde im eigenen Land.“

Eine Aufgabe finden

Monatelang hielt die Angst Lujain im Haus. „Ich verliess die gemietete Wohnung kaum“, sagt sie. „Doch irgendwann wurde mir klar, dass ich stark sein und wieder anfangen musste zu leben.“ Mit der Unterstützung ihres Vaters fand sie eine Stelle in einer kleinen medizinischen Einrichtung in Damaskus. Es war ihr erster Schritt, um ihr Leben neu aufzubauen. Später wechselte sie an die Universität Damaskus und begann, sich ehrenamtlich bei NGOs zu engagieren. „Dieser Moment war der Beginn meines Wegs in die humanitäre Arbeit.“

Ihre Leidenschaft und Ausdauer zahlten sich aus. Nach sechs Monaten ehrenamtlicher Arbeit erhielt Lujain eine Vollzeitstelle als Sozialarbeiterin in einem vom UNHCR unterstützten Gemeindezentrum. „Es war mehr als ein Job – es war der Anfang, meine Aufgabe zu leben“, sagt sie. Diese Rolle ebnete ihr den Weg zu einer festen Stelle beim UNHCR.

Kein Tag wie der andere

Heute arbeitet Lujain als Protection Associate im UNHCR-Büro in Homs. „Meine Arbeit ist mehr als ein Job“, sagt sie. „Jeden Tag habe ich die Möglichkeit, im Leben von Menschen etwas Positives zu bewirken.“

Ihre Tage sind unvorhersehbar. „Der Morgen beginnt vielleicht mit Fallbesprechungen, danach folgen Besuche vor Ort, um Risiken im Bereich Kinderschutz, geschlechtsspezifische Gewalt, psychische Gesundheit sowie Ausbeutung und Missbrauch einzuschätzen“, erklärt sie. Nachmittags schreibt sie Berichte, plant Projekte und bearbeitet E-Mails. „Diese Unvorhersehbarkeit gibt mir Energie – zusammen mit viel Kaffee!“

Ihre Arbeit umfasst Fallmanagement und die Begleitung der Bedürfnisse von Menschen, die aus dem Libanon, Jordanien und der Türkei zurückkehren. „Rückkehrende nach Syrien fangen ihr Leben von Grund auf neu an. Wenn du ihnen begegnest, siehst du die Hoffnung in ihren Augen. Sie wollen wieder aufbauen – nicht nur ihre Häuser, sondern das ganze Land.“

Ich träume von einem Land, in das alle Syrer und Syrerinnen zurückkehren können – nicht nur in Häuser, sondern in ein Leben voller Würde und Frieden.
Lujain steht draussen auf einer Strasse und spricht mit einer anderen Person. Sie ist umgeben von Menschen.

Erfahrungen und Hoffnungen

Lujains eigene Erfahrung als Binnenvertriebene hat sie tief geprägt. „Ich habe verstanden, was Vertreibung bedeutet – nicht nur mit Empathie, sondern aus eigener gelebter Erfahrung“, sagt sie. Sie motivierte sie auch, weiterzustudieren: Lujain machte einen Masterabschluss in Psychologie und bereitet sich jetzt auf ihre Doktorarbeit vor.

„Ich träume von einem Land, in das alle Syrer und Syrerinnen zurückkehren können – nicht nur in Häuser, sondern in ein Leben voller Würde und Frieden“, sagt Lujain. „Für mich selbst halte ich an der Hoffnung fest, meine Doktorarbeit abzuschliessen und weiter mit der UNHCR-Familie zu wachsen – denn anderen zu helfen, Sicherheit zu finden, ist ein Teil von mir.“