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Natalies Geschichte

Solidarität zeigen

Als Natalie gezwungen war, aus Nicaragua zu fliehen, blickte sie in einem neuen Land in eine ungewisse Zukunft. Heute hilft sie beim UNHCR, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, anderen Menschen, denselben Weg zu gehen – mit Würde und Hoffnung für einen Neuanfang.

Natalie steht vor einem UNHCR-Büro und lächelt.
Natalie steht vor einem UNHCR-Büro und lächelt mit erhobenen Armen.

Aus Vertreibung wird Verbindung

Als Natalie ihr Zuhause in Nicaragua verlassen musste, begann ihr Leben komplett von vorn. „Alles war neu – neues Land, neues System, einfach alles neu“, erinnert sie sich. „Mein Zuhause zu verlassen, war etwas, das ich mir nie vorgestellt hatte. Meine Familie und ich mussten die schwere Entscheidung treffen zu fliehen, weil unsere Sicherheit bedroht war. Es war ein Moment voller Unsicherheit, aber auch voller Hoffnung, einen Ort zu finden, an dem wir unser Leben in Würde neu aufbauen konnten.“

Zunächst fühlte sie sich verloren und wusste nicht, wo sie hingehörte. Doch dann veränderte sich etwas. „Ich hatte schon in Nicaragua vom UNHCR gehört. Und als ich hier in Mexiko mit ihnen in Kontakt kam, habe ich gesehen, wie echte Solidarität aussieht. Wenn du in einer Situation bist, in der du nicht weisst, was als Nächstes kommt, und eine Person begleitet dich, erklärt dir den Prozess, gibt dir Klarheit und ist einfach da – dann bedeutet das alles.“

Diese Erfahrung inspirierte Natalie dazu, als Community Promoter für den UNHCR zu arbeiten: als eine Person, die Menschen auf der Flucht mit der Unterstützung verbindet, die ihnen zur Verfügung steht. „Ich mache das nicht nur, um anderen zu helfen, sondern um ihnen dieselbe Würde und Unterstützung zu geben, die ich selbst einmal gebraucht habe“, sagt sie. „Es fühlte sich an, als hätte sich ein Kreis geschlossen: von derjenigen, die Orientierung brauchte, zu einer Person, die andere begleiten kann, die heute durchmachen, was ich selbst erlebt habe. Diese Arbeit berührt meine berufliche Seite genauso wie meine menschliche.“

Für Natalie geht es in der humanitären Arbeit um Präsenz und Verbindung: „Eine Person hat das für mich getan. Und jetzt möchte ich dasselbe für andere tun, die ankommen und einen Ort suchen, den sie Zuhause nennen können.“

Sinnvolle Arbeit

Kein Tag ist wie der andere für Natalie. „Jeder Mensch bringt eine andere Geschichte mit – genau das liebe ich an dieser Aufgabe“, erklärt sie. An manchen Tagen begrüsst sie neue Familien in lokalen Integrationsprogrammen und hilft ihnen, eine Wohnung zu finden, Kinder in der Schule anzumelden oder sich in rechtlichen Verfahren zurechtzufinden. An anderen Tagen hält sie Vorträge an Schulen, arbeitet mit lokalen Organisationen zusammen oder organisiert Community-Veranstaltungen und Workshops zu Staatsbürgerschaft, Rechten und dem Zugang zu Services. „Manchmal geht es einfach nur darum, zuzuhören“, sagt sie. „Menschen kommen, weil sie sprechen möchten, weil sie fragen wollen, wie sie sich einleben und wie sie weitermachen können – und ich bin da, um sie zu begleiten oder ihnen einfach Raum zu geben.“

Natalie sieht jeden Tag, was ihre Arbeit bewirken kann. „Wenn Menschen ankommen, fühlen sich viele völlig hoffnungslos“, sagt sie. „Und dann, nur ein paar Monate später, sehe ich dieselbe Person vielleicht wieder und sie sagt mir: ‚Meine Kinder gehen jetzt zur Schule‘ oder ‚Ich habe angefangen zu arbeiten‘ oder auch einfach: ‚Ich habe das Gefühl, mein Leben beginnt wieder.‘ Dann spürst du, dass das, was wir tun, zählt.“

Verbundenheit als Aufgabe

Das Schwierigste, sagt Natalie, ist es, die Geschichten der Menschen zu hören – Geschichten, die ihrer eigenen oft ähneln. „Ich höre zu und unterstütze so gut ich kann, aber ich fühle auch, was sie fühlen, weil ich selbst dort war“, sagt sie. „Da ist eine emotionale Last, die nicht einfach verschwindet, wenn der Tag endet.“ Und doch bleibt sie ihrer Aufgabe verbunden: „Empathie ist das Wichtigste. Sich wirklich mit Menschen verbinden zu können und zu verstehen, was sie durchmachen.“ Ihre Botschaft an andere ist klar: „Eine geflüchtete Person zu sein ist keine Identität – es ist eine Lebenssituation. Menschen verlieren ihre Talente, Träume oder Würde nicht, wenn sie eine Grenze überqueren. Sie gehen einfach durch ein schwieriges Kapitel. Und mit der richtigen Unterstützung bauen sie ihr Leben wieder auf.“