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Zusammen allein: Mit der Entfernung wächst die Liebe

Getrennt durch 160 Kilometer – wie funktioniert eine Ehe auf Entfernung?

(06.03.2023) Als Sille, Expertin für Verhaltensdesign, und Niels, Fernsehredakteur sowie Fotograf, im August 2022 heirateten, brachten sie vier Kinder zwischen neun und 14 Jahren aus früheren Beziehungen mit in die Ehe. Sie leben in Dänemark und obwohl sie jetzt Mann und Frau sind und sich sehr lieben, haben sie beschlossen, weiterhin getrennt zu leben – 160 km voneinander entfernt. Ein ungewöhnliches Arrangement für Frischvermählte, die sich eigentlich noch im Flitterwochentaumel befinden. Aber es ist für beide wichtig, da sie auf diese Weise ihre Persönlichkeit entfalten können, was die Beziehung sogar noch stärkt. Beide schildern hier, wie diese Art der Beziehung für sie funktioniert.

NIELS‘ GESCHICHTE:

„Das Wichtigste für mich ist, dass ich Zeit für mich habe, weil wir nicht zusammenwohnen, aber ich vermisse sie auch sehr.“

„Für uns ist es wichtig, dass wir uns jeweils im Zuhause der anderen Person auch wohl und heimisch fühlen, ganz nach dem Motto ‚mi casa es tu casa.‘ Wir haben beide einen Schlüssel zur Wohnung des anderen, aber wir sind eben ganz verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Gewohnheiten.

Mein Haus hat definitiv ein paar ganz persönliche Merkmale. In meinem Elternhaus bin ich mit einem Kamin aufgewachsen und es war mir sehr wichtig, ebenfalls einen in meinem Haus zu haben. Es hilft mir zu entspannen, das habe ich von meinem dänischen Vater. 

Von meiner Mutter - ich bin Halb-Ghanaer – habe ich die Esskultur übernommen: Sie sagte immer: ‚In Ghana kochst du immer für eine Person mehr, falls noch ein Gast vorbeikommt.‘ Wir essen im Wohnzimmer und das macht es für mich zum Herzstück des Hauses. Es ist klein, aber wenn alle zusammenrücken, passen zwölf Personen an den Tisch.

Wenn du Sille fragst, wird sie sagen, dass ich viel zu viel Zeug zu Hause habe. Kürzlich, als sie auf Geschäftsreise war, habe ich versucht, das Haus zu entrümpeln, um Platz zu schaffen. Aber mein ganzes Leben steckt da drin! Ich versuche, nicht zu viel zu sammeln und alles ein wenig zu reduzieren. Ich finde, ich habe das ziemlich gut hinbekommen, aber sie würde wohl immer noch sagen: ‚So kann ich hier nicht leben. Wir müssen aufräumen!‘ Sie würde alles einfach in eine Kiste packen, ich aber lege sehr viel Wert auf Details und platziere Dinge gern dort, wo sie meiner Meinung nach hingehören.

Wir streiten uns nicht über Belanglosigkeiten wie das Einräumen der Spülmaschine. Ich habe meine Art, solche Dinge zu erledigen, versuche aber, auch für Silles Art offen zu bleiben. Das würde vielleicht nicht funktionieren, wenn wir rund um die Uhr zusammen wären.

Früher dachte ich, ich sei impulsiv, aber das Leben, das wir führen, hat mich gelehrt, dass ich es nicht bin. Ich plane voraus, kaufe für Montag, Dienstag und Mittwoch ein und weiß, dass ich dieses und jenes kochen werde. Bei Sille ist das anders – da kannst du dir einfach alles aus dem Schrank nehmen, ohne zu fragen, denn sie hat selten einen Plan, was an diesem Tag noch gebraucht wird.“

Gemeinsam stark: Durch getrenntes Wohnen kann jeder seinen Leidenschaften nachgehen, ganz ohne alltäglichen Streit.
Trotz Entfernung ist es wichtig, regelmäßig als Familie Zeit zu verbringen.

SILLES GESCHICHTE:

„Wir hatten als Paar nie einen gemeinsamen Alltag und das ist ziemlich seltsam, wenn du miteinander verheiratet bist.“

„Ich bin in einem Haus mit vielen Personen aufgewachsen und hatte nie eine besonders große Bindung zu Dingen wie Möbeln. Nach meiner Scheidung habe ich alles meinem Ex-Mann überlassen, also hatte ich nicht viele Besitztümer, nicht einmal einen Fernseher. Für meine Kinder wollte ich eine neue Basis schaffen, die sie ihr Eigen nennen können. Obwohl Niels und ich damals schon zusammen waren, habe ich vor einem Jahr eine Wohnung in Kopenhagen gekauft.

Als es zwischen uns ernster wurde, wollten wir immer noch, dass unsere Kinder ihr jeweils eigenes Zuhause hatten. Wir haben ganz bewusst entschieden, wie wir leben wollen und wie wir alles vereinen können.

Wenn ich im Ausland unterwegs bin und mein Zuhause vermisse, ist mein Zuhause dort, wo die Kinder sind – und das kann bei mir sein, aber auch bei Niels. Wenn sie dort sind, hängen sie zusammen ab und schauen Filme zusammen.

Was für uns beide wichtig ist, egal wie beschäftigt wir sind: wir nehmen uns die Zeit und sprechen vier- bis fünfmal täglich miteinander. Wenn ich nicht auf Reisen bin, versuchen wir, uns zwei- oder dreimal die Woche zu sehen. Wir achten darauf, mindestens einmal im Monat ein Familienessen mit allen einzuplanen. Und als Paar planen wir gemeinsame Wochenenden für uns allein ein.“ 

„Unsere gemeinsame Zeit hat für uns immer Priorität und wir bemühen uns bewusst um unsere Verbindung und Liebe – nach fünf Jahren sind wir immer noch sehr verliebt und vermissen uns ständig.“

„Er hat eine Schublade mit seinen Sachen hier bei mir und ich habe ein paar Schubladen bei ihm zu Hause, Aber wir sind verschiedene Menschen, die es gewohnt sind, Dinge unterschiedlich anzugehen. Wir streiten nicht über alltägliche Belanglosigkeiten, die vielleicht bei anderen Paaren ein Streitthema sind. Auch wenn er es nicht mag, wenn ich seine Sachen aufräume, habe ich kleine Ecken gefunden, in denen ich Ordnung schaffe, ohne, dass er es merkt ...

Klar streiten wir auch manchmal, aber weil wir Raum zum Ausweichen haben, geben wir uns mehr Mühe, wieder zusammenzufinden. Wir sehen uns gegenseitig nicht als selbstverständlich an. Aber was manchmal fehlt, ist, dass wir nicht wirklich Zeit zu zweit verbringen.

Es ist schon komisch, dass wir gar nicht wissen, wie wir uns verhalten, wenn wir einfach nur zusammen rumhängen und sonst keine Person da ist. Ich habe keine Ahnung, was Niels macht, wenn er entspannt. Wir hatten als Paar nie einen gemeinsamen Alltag und das ist ziemlich seltsam, wenn du miteinander verheiratet bist. Im Moment funktioniert das Ganze gut für sechs Personen, aber wenn die Kinder ausgezogen sind und wir nur noch zu zweit sind, träumen wir schon davon, einen Platz in der Natur zu haben und ein gemeinsames Haus zu bauen.

Dann werden wir Zeit haben, Dinge gemeinsam anzugehen und Erfahrungen zu teilen, genau wie andere Paare.“

Unabhängig davon, was Freunde und Familie sagen – und dem Paar wurde prophezeit, dass ihr Lebensstil „niemals funktionieren würde“ – ist das Entscheidende, sich im eigenen Umfeld zu Hause zu fühlen und ein Gefühl der Selbstverwirklichung und Zugehörigkeit zu entwickeln. Vergiss die Norm! Tu einfach, was für dich funktioniert. 

Neugierig auf weitere spannende Aufschlüsse und Einblicke über den Alltag in den eigenen vier Wänden? Unser Life at Home Report nimmt das Leben Zuhause genau unter die Lupe.   

Verliebt wie am ersten Tag – durch die Distanz werden gemeinsame Momente noch stärker wertgeschätzt.

Über die Autorin: Nathalie Schmoll 

Die vielseitigen Themen rund um IKEA als Unternehmen gehören zu meinem Aufgabenbereich. Mein Lieblings-Möbel ist im Moment mein LIATORP Bücherregal. Neben den schönsten Büchern passen hier auch tolle Kisten zum Verstauen, Bilder und Deko-Artikel jeglicher Art rein. Neben meiner nicht ganz so geheimen Leidenschaft des Gardetanzens benenne ich mit Vorliebe, wie IKEA, Gegenstände... Wenn ich einen Wunsch frei hätte würde ich mir wünschen, durch einfaches Handauflegen ein Buch lesen zu können. Dadurch würde ich viel mehr Bücher schaffen.


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