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Dein Zuhause kann dich glücklich machen

Michelle Ogundehin verrät uns fünf Schritte, um ein gesünderes und glücklicheres Leben zu Hause zu führen. © Indre Surdokaite

(29.03.2022) „Mein Zuhause ist mein Zufluchtsort und meine geheime Superkraft! Diese Einstellung geht über die bloße Einrichtung hinaus. Das Ziel besteht eher darin, durch dein Zuhause dein bestes Selbst zu werden“, sagt Michelle Ogundehin, international anerkannte Autorin, Moderatorin und Markenberaterin für Inneneinrichtung, Trends, Wohlbefinden und Lifestyle. Sie hat fünf Schritte mit uns geteilt, mit denen man die Kraft des eigenen Zuhauses für ein gesünderes und glücklicheres Leben nutzen kann. 

In einem zunehmend digitalen Alltag bilden Texturen entspannende Oberflächen. © Indre Surdokaite

1. Aufräumen: Schaffe Platz für das, was du wirklich brauchst

Eines ist sicher: Unordnung ist der Erzfeind eines glücklichen Geistes und eines gesunden Zuhauses. Nicht missverstehen, ich spreche nicht von deinen Sachen, deinem Hab und Gut. Ich mag selber nichts lieber, als mich mit den Dingen zu umgeben, die ich liebe, den Talismanen meines Lebens. Aber Krempel ist etwas anderes als das. Zu Krempel zählen kaputte oder dir unwichtige Dinge, für Notfälle aufgehobenes und Geschenke, die man aus Pflichtgefühl behält. Das sind die Dinge, die uns die Energie rauben, unsere Schränke voll machen und unsere Ruhe sabotieren. Trenne dich davon und du schaffst wortwörtlich Platz für mehr Leben in deinem Zuhause.

Außerdem soll unser Zuhause aktuell mehr leisten als je zuvor. Es soll unser Rückzugsort für Entspannung sein, genauso aber auch ein Ort, an dem wir produktiv arbeiten können. Es soll sich für Kreativität, Hausaufgaben und Sporteinheiten eignen und uns abends ein Ruhepol sein. Damit all das möglich ist, solltest du nur mit den Dingen leben, die du brauchst. So kannst du dank mehr Platz im Raum und im Geist ein bedeutungsvolleres Leben führen. Und wir beginnen zu verstehen, dass diese Art von „Platz“ nicht unbedingt physischer Freiraum ist, sondern das Fehlen von allem Irrelevanten. Mit anderen Worten, du beginnst in dir selbst großzügig zu werden, furchtlos und völlig entspannt.

2. Reinigen: Schaffe eine gesunde Umgebung

Der zweite Schritt zu einem gesunden Zuhause besteht darin, sich mit Texturen zu umgeben und sich der Materialien bewusst zu sein, mit denen man sich umgibt. Als physisch sensorische Wesen ist es uns ein Urbedürfnis, Oberflächen um uns zu haben, die unsere Fingerspitzen und unsere Zehen reizen. Durch taktile Stimulation wird das Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet. Es senkt auch den Cortisolspiegel, reduziert also Angst und Stress. Und im heutigen digitalen Zeitalter mit super glatten Bildschirmen bringen uns starke Texturen zu Hause wortwörtlich wieder mit uns selbst „in Kontakt“.

Daher sind auch saubere, also natürliche, Materialien essenziell: beispielsweise lösungsmittelfreies Holz, Wolle, Baumwolle und Stoffe auf Leinenbasis für Teppiche und Polster sowie natürliche Materialien für sämtliche andere Oberflächen. Denk mal an Stein, Ziegel, Marmor oder Keramikfliesen. Unkonventionelle Keramikgegenstände und Dinge aus einfachen Materialien wie Pappe, Sperrholz oder Hanf strahlen Authentizität aus und stehen für Nachhaltigkeit. Körbe aus Rattan und Sisal oder Flechtkörbe lassen sich wunderbar und vielseitig verwenden – um Zeitschriften und Unterlagen aufzubewahren, als Pflanzenhalter oder Stauraum im Badezimmer.

Und schließlich solltest du Pflanzen in alle Zimmer einziehen lassen. Sie sind natürliche Akteure zur Luftreinigung, hocheffektiv bei der Beseitigung von Luftverschmutzung in der Wohnung. Und lies ab jetzt, was auf der Rückseite der Reinigungsprodukte steht, bevor du sie kaufst. Wenn dort ein Warnhinweis wegen giftiger Bestandteile enthalten ist, haben sie keinen Platz in deinem glücklichen, gesunden und himmlischen Zuhause. Es gibt natürliche Alternativen. Du bist, was du einatmest, also steig auf natürliche Produkte um.

3. Für Farbe sorgen: Treib es bunt

Mehr als sonst irgendetwas geben die Farben in deinem Zuhause den Ton in Sachen Stimmung an, denn Farben beeinflussen unsere Leistungsfähigkeit. Einfach ausgedrückt kann man aber sagen: Farbe ist Emotion. Bestimmte Töne sorgen für ein Gefühl von Glück, Nervosität, Ruhe, Aufregung oder Leere – und jede Nuance dazwischen. Farbe ist also die große Waffe in deinem Dekorationsarsenal. Aber nur, wenn du die Farben auswählst, die dich wirklich ansprechen. Erst danach kannst du mit dem Dekorieren anfangen.

Wie? Es geht um die Atmosphäre. Frage dich bei jedem Raum: Wie möchte ich mich hier fühlen? Entspannt oder energiegeladen, aufgeschlossen oder zurückgezogen? Wenn du solche Fragen für dich beantwortest, findest du leichter den passenden Farbton in deinem bevorzugten Farbbereich, von kühlen bis hin zu warmen Tönen.

Und dann tauche tiefer ein. Welche Jahreszeit magst du am liebsten? Wo bist du am glücklichsten: am Meer oder in den Bergen, in der Stadt oder auf dem Land? Was war dein schönstes Reiseziel und was war daran so toll? So entdeckst du die Feinheiten deines eigenen Geschmacks. Übersetze das in Farben und Materialien und dann richtest du dein Zuhause so ein, dass es dir guttut. Das ist die Überholspur zu deinem Zuhause als deine Superkraft!

4. Gestalten: Mach es persönlich

Kein Mensch möchte, dass seine Wohnung genauso aussieht wie die nebenan. Natürlich streben viele von uns nach einem aufgeräumten, sauberen Zuhause mit möglichst viel natürlichem Licht. Darüber hinaus muss unser Zuhause aber auch persönlich sein. Voll mit Dingen, die unsere Geschichten erzählen: Wer wir sind, was wir lieben, was uns inspiriert oder zum Lachen bringt. Das ist der Weg hin zu Authentizität und Sinn. Und wie schon bei Schritt eins gesagt: Diese Dinge zählen nicht zu Krempel. Sie bilden die Pfeiler unseres Lebens und sollten dementsprechend verehrt und respektiert werden.

Offene Abstellflächen sind damit quasi Heiligtümer für mich: Bereiche, die genau dafür gemacht sind, seine Schätze zu präsentieren. Es kann der Kaminsims sein, ein Sideboard oder ein Hängeregal in einer Nische. Es ist nicht wichtig, wo es ist und auch nicht woraus, es geht darum, einen speziellen Ort zu haben, an dem man für sich wichtige Dinge präsentiert. Diese Dinge mit Bedacht zu arrangieren, sie zu entstauben und zu schätzen ermöglicht es uns, Kraft aus ihnen zu ziehen. Sie erinnern uns auch daran, wer wir sind, wo wir herkommen und wer wir werden wollen. 

In deinem Zuhause solltest du Dinge präsentieren, die deine Geschichten erzählen, dich inspirieren oder zum Lachen bringen. © Indre Surdokaite
Wir sprechen unsere tieferen Gefühle an, wenn wir selbstgemachten Dingen einen Platz in unserem Zuhause schenken. © Indre Surdokaite
Dein Zuhause soll ein Rückzugsort für Entspannung sein, genauso aber auch ein Platz, an dem du produktiv arbeiten kannst. © Indre Surdokaite

5. Schaffen: Gib den wichtigen letzten Schliff

Wir sind schon von Natur aus kreative Geschöpfe. Wir schaffen seit jeher Dinge. Es steckt in uns allen, auch in denjenigen, die meinen, absolut kein künstlerisches Talent zu haben. Deshalb sprechen wir unsere tieferen Gefühle an, wenn wir selbstgemachten Dingen einen Platz in unserem Zuhause schenken – ganz gleich, ob sie von uns oder anderen geschaffen wurden. Es kann etwas so einfaches sein, wie das selbstgemalte Bild unseres Kindes, eine Pflanzenampel aus Makramee oder ein handgestrickter Überwurf. Solche Dinge sorgen auf einer anderen Ebene für Komfort.

Außerdem drückt es Wertschätzung für die Menschen, die diese Dinge hergestellt haben, in deinem Zuhause aus. Das Selbstvertrauen, das ein Kind daraus schöpft, sein Bild derart geehrt zu sehen, ist unermesslich. Genauso wie die Liebe, die man zeigt, wenn man die Sammlung Porzellanfiguren seiner oder seines Liebsten annimmt. Oder noch besser, sich extra Gedanken über die Aufbewahrung zu machen. Es ist tatsächlich eine sehr effektive Art, ein glückliches Zuhause für alle zu schaffen, wenn man die Geschichten, Vorlieben und das Leben der Bewohner*innen zeigt.

Dieser Beitrag ist im ersten Life at Home-Magazin erschienen. Das Magazin ist eine Weiterführung des jährlichen Life at Home-Reports von IKEA, der in seiner aktuellen Ausgabe den Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und dem Zuhause untersucht hat. Neugierig? Hier findest du das vollständige Magazin.


Über die Autorin: Michelle Ogundehin

Michelle Ogundehin ist vielen Menschen in Großbritannien auch als Hauptjurorin der bekannten Serie „Interior Design Masters“ von BBC Two bekannt. Sie arbeitet gerade an ihrem nächsten Buch „Simple Inside: Master Your Space, Master Your Life“, das als praktisches Begleitbuch zu ihrem Erstlingswerk „Happy Inside“ gedacht ist. 

© Ben Anders