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Zuhause ist mehr als nur ein Wohnort – Perspektiven schaffen für geflüchtete Frauen

Aufgrund der Bürokratie (und der Pandemie) ist der Start in Deutschland für viele Geflüchtete schwierig. Dabei sollte dieser für eine richtige Integration besser laufen.

(20.06.2022) In einem Land ohne Krieg zu leben, war für mich immer selbstverständlich – seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine hat sich das geändert. Nun bin ich umso dankbarer, mein Zuhause zufällig in einem sicheren Land zu haben. Aber nicht alle haben dieses Glück. Daher ist es besonders wichtig, geflüchtete Menschen zu unterstützen und ihnen zu helfen, eine Perspektive auf ein neues Zuhause zu bekommen. Aber wie wird der Wohnort zu einem Zuhause? Und wie ist es, in Deutschland anzukommen?

Qamar und Laisante sind zwei der vier Frauen, die bei IKEA Frankfurt ein Praktikum absolviert haben.

Ein Leben ohne Zuhause

Meine privilegierte Situation wird mir bei meinem Gespräch mit drei geflüchteten Frauen sehr deutlich. Zeynab*, Qamar und Laisante sind alle aus ihren Heimatländern Syrien, Iran und Kongo geflohen und leben nun seit Kurzem in Deutschland. Vergangenen Monat haben sie ein Praktikum bei IKEA Frankfurt absolviert und sind bereit, offen mit mir zu sprechen. 

Bei dem Gedanken an Deutschland haben die drei Frauen auf ein sicheres Leben gehofft – hierher zu kommen, war ein lang ersehnter Wunsch. Um ihn zu erfüllen, haben sie ihre Familien und Freund*innen in der Heimat zurückgelassen. Doch nach der Ankunft in Deutschland die traurige Wahrheit: Aufgrund der Bürokratie (und der Pandemie) verlief der Start deutlich holpriger als erhofft und eine Arbeit zu finden, war schwerer als gedacht. Aber etwas ganz Wichtiges haben alle drei direkt vorgefunden: Ein sicheres Land – und dafür sind sie bis heute dankbar und bereuen ihre Entscheidungen trotz aller Herausforderungen nicht. 

Schwieriger Start in Deutschland

Zeynab* erzählt mir, dass sie im Iran Sozialarbeiterin war. Sie hat den Menschen gerne geholfen und ihre Arbeit dort sehr gemocht. Für ihre Zukunft in Deutschland wünscht sie sich, einen guten Job zu finden, um sich hier ein Leben aufbauen zu können. Sie berichtet mir, dass auch für sie die vergangenen Jahre während der Pandemie nicht leicht waren. Sie hat viel mit den Menschen in ihrer Heimat telefoniert und sich Podcasts angehört.

Auch Qamar und Laisante erzählen, dass sie bis jetzt noch kein Gefühl von zu Hause entwickeln konnten. Tatsächlich ernten die Frauen häufig schiefe Blicke oder werden direkt verurteilt für ihre Aussprache oder das getragene Kopftuch. Sie berichten mir, dass sie anfangs sehr großen Respekt davor hatten, Menschen auf Deutsch überhaupt anzusprechen. Sie erwähnen, dass wir oft grimmig und angsteinflößend schauen – oder wie in meinem Fall, zu Beginn leider viel zu schnell sprechen.

Wenn Sprache der Schlüssel ist

Bei unserem Gespräch wird direkt deutlich, dass die anfangs fehlenden Deutschkenntnisse die größte Hürde für ein Leben in Deutschland darstellen. Das oberste Ziel von allen drei Frauen ist daher, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern und bald auf einem sehr guten Niveau (B1 bis C1) zu sprechen. Ich möchte aber betonen, dass mich die aktuellen Sprachkenntnisse der Frauen schon sehr beeindruckt haben. Nachdem ich mein konsequentes Problem, zu schnell zu sprechen, abgelegt hatte, konnten sie mich ohne Probleme verstehen. 

Trotz aller Hürden sehen sie in Deutschland ein gutes Land zum Leben und ein gutes neues Zuhause. Auch wenn das Essen hier besser sein könnte, vor allem das Obst und Gemüse scheint hier ganz anders zu schmecken als in ihren Heimatländern. Qamar erzählt mir, dass sie die gute Verkehrsanbindung schätzt – das ausgebaute Straßennetz und die Vielzahl an öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch das Gesundheitssystem macht Deutschland für sie zu einem attraktiven Land. Außerdem bietet die Stadt Frankfurt aufgrund der Internationalität viele Möglichkeiten für sie – daher möchte sie sehr gerne in der Stadt wohnen bleiben und sich zu Hause fühlen.

Frauen stärken mit socialbee

Zu Beginn habe ich bereits davon gesprochen, dass es wichtig ist, geflüchteten Menschen eine Perspektive zu geben. Und genau darum geht es im IKEA Projekt „Perspektiven Stärken“ und dem dazugehörigen Frauenförderungsprogramm, das IKEA in Zusammenarbeit mit socialbee** gestartet hat. „Befragungen von Geflüchteten durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zeigen, dass gerade Frauen mit Fluchthintergrund aufgrund unterschiedlicher soziostruktureller Lebensumstände weniger am öffentlichen Leben teilnehmen und dadurch größere Integrationshürden haben. Genau hier möchten wir mit gezielten Projekten zum Female Empowerment geflüchteter Frauen ansetzen und Chancen schaffen,” erzählt Sarah Schilberg, Head of Marketing & PR bei socialbee.

Das Team von socialbee hilft Menschen mit Fluchthintergrund im deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. © socialbee
Die Seminare von socialbee haben die Kursteilnehmerinnen auf das Praktikum gut vorbereitet. © „Frank Bluemler, KfW Bankengruppe für socialbee“

Für das Programm wurden 18 Frauen mit Fluchthintergrund gesucht, denen nun eine Perspektive bei der Jobsuche und somit auf dem deutschen Arbeitsmarkt ermöglicht werden soll. Die ausgewählten Teilnehmerinnen haben für sieben Wochen an Online-Kursen mit socialbee teilgenommen. Hier wurden sie auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereitet – bekamen ein Bewerbertraining, Informationen zur Kinderbetreuung in Deutschland, aber auch Coachings in den Bereichen Konflikt-, Zeit- und Stressmanagement. Zusätzlich erlernten sie auch die spezifischen Fach- und Deutschkenntnisse für die Arbeit im Einzelhandel und für den Kontakt mit Kund*innen. Ein aktuell sehr wichtiges Wort war “vorrätig”, also dass die Ware im Lager da bzw. verfügbar ist.

Die Kurse dienten als ideale Vorbereitung für das anschließende zweiwöchige Praktikum in einem der teilnehmenden IKEA Einrichtungshäuser. Insgesamt arbeiteten vier Teilnehmerinnen des Programms im Einrichtungshaus IKEA Frankfurt in den Bereichen Verkauf und Food.  Zwei von ihnen konnten danach eine befristete Stelle anfangen.

Für mich ist es nach wie vor unvorstellbar, das eigene Zuhause aufgrund äußerer Umstände zu verlassen und nicht zu wissen, ob man Freund*innen und Familie wiedersehen wird. Zufälligerweise habe ich auch das Glück, mir darüber keine Gedanken machen zu müssen und darüber bin ich sehr dankbar.

Herzlichen Dank Zeynab*, Qamar und Lasainte für das offene Gespräch mit mir. Ich habe sehr großen Respekt davor, welche Entscheidungen ihr getroffen habt und wie mutig ihr durch euer Leben geht. Ich wünsche euch alles erdenklich Gute für eure Zukunft und wünsche euch von Herzen, dass Deutschland bald euer Zuhause wird.

* Der Name wurde von der Redaktion geändert.

** socialbee ist der führende Experte für die nachhaltige Integration von Geflüchteten in die deutsche Arbeitswelt. Als eines der Top-Social-Scale-ups in Europa fördert socialbee die Vielfalt in der Gesellschaft, indem es Flüchtlinge mit Unternehmen zusammenbringt.


Über die Autorin: Claudia Seibert

Zu meinem alltäglichen Arbeitsbereich gehört die Kommunikation vieler spannender Themen rund um IKEA Deutschland. Mein aktuelles Lieblingsprodukt von IKEA ist die VINDKAST Lampe. Sie hängt in meinem Schlafzimmer und macht ein wunderschön verträumtes Licht. Meine nicht ganz so geheime Leidenschaft ist das Backen und Kochen. Ich probiere gerne neue Rezepte aus und lasse mein Umfeld daran teilhaben. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir mehr Liebe auf der Welt wünschen – mehr Liebe zu unserer Erde, zu unseren Mitmenschen und zu uns selbst.


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