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Mädchen machen Zukunft – nichts wie raus!

© Tatjana Ristic / Save the Children

(23.06.2021) Am vergangenen Sonntag war der Weltflüchtlingstag – ein bedeutender Tag mit internationaler Tragweite, immerhin sind laut UNHCR über 80 Millionen Menschen auf der Flucht. Dass insbesondere Kinder darunter leiden, überrascht nicht. Marlene Auer von Save the Children berichtet heute über die Herausforderungen der Jüngsten und ein einzigartiges Programm.

Der Schutz von Kindern, die vor Krieg und Gewalt flüchten müssen, ist einer der Schwerpunkte der Arbeit von Save the Children, ein starker Partner von IKEA Deutschland. Auch hierzulande leben viele Kinder, die aus ihrer Heimat fliehen mussten. Obwohl sie Schutz vor Krieg und Vertreibung gefunden haben, bleibt ihr Leben voller Herausforderungen und Unsicherheiten. Kinder leben oft über mehrere Jahre in Gemeinschaftsunterkünften für Geflüchtete auf engstem Raum mit vielen anderen Menschen. Sie müssen sich in einer neuen Kultur zurechtfinden, eine neue Sprache lernen und erleben die Verunsicherung der Eltern, die versuchen, hier ein neues Leben aufzubauen.

Teilnehmerinnen setzen sich spielerisch mit Geschlechterrollen in Familie und Beruf auseinander. © Save the Children

Zukunft gemeinsam gestalten

Zum Weltflüchtlingstag berichten wir über ein ganz besonderes Projekt, das Save the Children Deutschland dank IKEA auf die Beine stellen konnte. „Mädchen. Machen. Zukunft.“ unterstützt und stärkt Mädchen und junge Frauen in Unterkünften für Geflüchtete in Berlin darin, sich selbst auszuprobieren, neue Möglichkeiten zu entdecken und ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten. Dieses Programm ist und war einzigartig, gerade während der Lockdowns.

Seit 2015 setzt Save the Children mit IKEA verschiedene Projekte für Kinder in Unterkünften für Geflüchtete in Deutschland um. Gemeinsam machen wir uns dafür stark, dass auch geflüchtete Kinder Zugang zu Bildung, Schutz und Chancen haben. Mit „Mädchen. Machen. Zukunft.“ schaffen wir sichere Räume in fünf Berliner Gemeinschaftsunterkünften, in denen Mädchen und junge Frauen zusammenkommen und sich austauschen können. „Wie stellen wir uns unsere Zukunft vor?“, „Wie gehen wir mit Diskriminierung im Alltag um?“, „Was wird von mir als Frau erwartet und was will ich eigentlich?“, „Wo finde ich Beratung und Unterstützung?“ – all das und noch viele andere Themen können in den regelmäßigen Mädchentreffs besprochen werden.

In Workshops für die Mädchen, aber auch für gleichaltrige Jungen und junge Männer, wird der Austausch zu genderspezifischen Themen und Herausforderungen angeregt. Für die Mitarbeiter*innen der Unterkünfte, von der Sozialarbeiter*in bis zur Hauswirtschaftskraft, bietet das Projekt Schulungen an, in denen Kompetenzen für einen gendersensiblen Ansatz in der Arbeit mit den jungen Menschen gestärkt werden.

Alltag auf engem Raum

Francesca ist Ehrenamtskoordinatorin in einer Gemeinschaftsunterkunft für geflüchtete Menschen in Berlin Pankow. Sie baut Kontakt mit ehrenamtlichen Unterstützer*innen auf, schaut nach den Bedürfnissen der Bewohner*innen und gestaltet dann passende Angebote. Mit ihr haben wir über den Alltag der Mädchen in einer von vielen Berliner Gemeinschaftsunterkünften und die besonderen Herausforderungen gesprochen – aber auch darüber, was sie den Mädchen für ihre Zukunft wünscht. „Zum Glück ist das ehrenamtliche Engagement bei uns sehr hoch“, erzählt sie. „Ehrenamtliche unterstützen zum Beispiel die Kinder bei den Hausaufgaben und bald möchten wir einen Deutschkurs speziell für Frauen starten.“ In der Gemeinschaftsunterkunft, einem mehrstöckigen ehemaligen Verwaltungsgebäude, leben 360 Menschen, über 100 von ihnen sind Kinder. Die Menschen leben dicht an dicht, Rückzugsräume gibt es nur wenige.

„Mit der Pandemie ist die Situation noch schwieriger geworden, weil die Kinder nicht mehr zur Schule gehen konnten und auch alle anderen Angebote monatelang ausgefallen sind“, erzählt Francesca. Gerade ältere Mädchen sind oft sehr eingespannt: Sie müssen für die Schule lernen, unterstützen gleichzeitig ihre Eltern und kümmern sich um jüngere Geschwister.

Francesca ist Ehrenamtskoordinatorin einer Gemeinschaftsunterkunft in Pankow. © Save the Children
Kreatives Gestalten während eines Workshops in einer Berliner Gemeinschaftsunterkunft. © Save the Children

Umso wichtiger sind Räume, die es den Kindern erlauben, aus dem Alltag auszubrechen, zu spielen, zu träumen, aber auch über Themen zu sprechen, die sie bewegen. „Ich bin oft überrascht, wie erwachsen viele der jungen Mädchen schon sind. Sie sprechen politische Themen an, machen sich Gedanken über ihre Rolle in der Gesellschaft, ihre Zukunft“, berichtet Francesca. Es sei wichtig dafür Zeit und Raum zu schaffen, erzählt sie. Dafür bleibt im Alltag in der Unterkunft oft keine Zeit. So sei es manchmal schwierig die Mädchen zu erreichen, die zurückhaltender sind und nicht aktiv das Gespräch suchen. Francesca ist optimistisch: Die Mädchen erzählen ihren Freundinnen, was sie gelernt und erlebt haben und stärken sich gegenseitig.

Die Ideen und Wünsche der Mädchen stehen an erster Stelle

Lena und Henrike sind für das Projekt regelmäßig in den Berliner Unterkünften und bieten dort Mädchentreffs sowie Workshops zu genderspezifischen Themen an. Wir haben mit ihnen über ihre Eindrücke gesprochen und über Pläne, die sie mit den Mädchen geschmiedet haben.Wie so ein „typischer“ Mädchentreff aussieht? Henrike lacht: „Das kommt ganz darauf an, was sich die Teilnehmerinnen wünschen.” Schließlich soll ein Raum entstehen, in dem die Mädchen ihre Wünsche und Bedürfnisse einbringen können. Manche brauchen Unterstützung beim Lernen und den Hausaufgaben. Andere wollen neue Sportarten ausprobieren, Boxen sei ein großes Thema, ergänzt Lena. Einen Wunsch haben alle Mädchen: nichts wie raus! Ausflüge stehen ganz oben auf der To-Do-Liste: Ob zum Alexanderplatz und rauf auf den Fernsehturm oder raus in die Natur – Lena und Henrike wollen möglichst viele Wünsche in die Tat umsetzen.

„Manchmal sitzen wir auch einfach zusammen, spielen Spiele und haben eine schöne Zeit“, erzählt Lena. Denn es geht auch darum, Vertrauen aufzubauen, eine Gruppe zu werden, in der die Mädchen schwierige Themen ansprechen können.

Auch über ihre Pläne für die Zukunft haben die beiden mit den Mädchen gesprochen. Sie wollen selbstbestimmt leben, vielleicht ein eigenes Haus haben und ihre Familie finanziell unterstützen können. Und natürlich spielen Themen wie Freiheit und Liebe eine Rolle.

Francesca ist zuversichtlich: „Ich wünsche mir für die Mädchen, dass sie weiterhin so mutig ihren Weg gehen“, sagt sie zum Abschluss unseres Gesprächs, „und den Mut nicht verlieren, für die Sachen zu kämpfen, die ihnen wichtig sind.“

Vielen Dank für die spannenden Enblicke, liebe Marlene! Mehr Informationen zu dem Projekt „Mädchen. Machen. Zukunft.“ und der Arbeit von Save the Children findet ihr hier. Ihr möchtet mehr zur Geschichte von Save the Children und der Zusammenarbeit mit IKEA erfahren? Dann findet ihr hier einen Überblick!

Bildung ist wichtig für Teilhabe: Ein neunjähriges iranisches Mädchen im Unterricht. © Elena Heatherwick / Save the Children

Über die Autorin: Marlene Auer

Ich bin Marlene Aurer. Bei Save the Children setze ich mich für die Rechte geflüchteter Kinder in Deutschland ein. Mit der Hilfe von IKEA Deutschland realisieren wir das Projekt „Mädchen. Machen. Zukunft.“ und unterstützen damit Mädchen und junge Frauen, die in Gemeinschaftsunterkünften für geflüchtete Menschen leben. Hätte ich einen Wunsch frei, würde ich ihn gerne mit den vielen mutigen und starken Kindern teilen, sodass ihre Stimmen gehört werden.Die kreativen SAGOSKATT Kuscheltiere sind natürlich mein Lieblingsprodukt von IKEA – schließlich wird mit dem gesamten Erlös in Deutschland die Arbeit von Save the Children unterstützt.Meine Freizeit verbringe ich am liebsten draußen. In Begleitung meines Hundes unternehme ich Wanderungen in der Natur oder lange Spaziergänge durch Berlin. So kann ich am besten abschalten.