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Ist es (nicht) egal, wie man aussieht und wo man herkommt?

Drei Frauen, drei unterschiedliche Lebenswege, ein Wunsch: Sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen.

(18.12.2021) Anlässlich des heutigen Internationalen Tags der Migrant*innen habe ich mich gefragt: Was ist eigentlich typisch deutsch? Mir fallen da Dinge wie Pünktlichkeit ein, die oft beschworene deutsche Effizienz, unsere Bürokratie und eine für Außenstehende etwas hart klingende Sprache. Wenn man diese Frage Amira*, Amatul und Rani stellt, kommen ganz andere und viel tiefgreifendere Assoziationen. Sie denken an die Gleichstellung von Mann und Frau, an ein friedvolles Zusammenleben und die Möglichkeit, zur Schule zu gehen und sich weiterzubilden. Wer die Lebensgeschichte der drei Frauen kennt, versteht schnell, warum sich ihr Blick auf Deutschland so sehr von meinem eigenen unterscheidet.

„Ich habe kein Problem mit Religion, aber mit Kopftüchern“

Amira, Amatul und Rani verbindet, dass sie aus ihren Heimatländern Syrien, Pakistan und Afghanistan fliehen mussten und seit ungefähr fünf Jahren in Deutschland leben. Momentan absolvieren sie ein sechswöchiges Praktikum in unserem IKEA Einrichtungshaus in Frankfurt Nieder-Eschbach. Das Praktikum ist Teil der IKEA Initiative „Perspektiven stärken“. Wir möchten damit rund 300 geflüchteten Menschen ihren Weg in den Arbeitsmarkt erleichtern, indem – je nach Bedarf und bereits bestehender Qualifikationen – Sprachkurse, Praktika, Ausbildungsplätze und Festanstellungen an Menschen mit Fluchthintergrund vermittelt werden. 

Wie wichtig solche Projekte und Initiativen für geflüchtete Menschen sind, lässt sich im Gespräch mit den drei Frauen nur erahnen. So erzählt Rani, dass sie erst vor Kurzem eine Absage für einen Nebenjob in einem Café bekommen hat, weil die Vorgesetzten niemanden mit afghanischen Wurzeln einstellen wollten. Und auch Amatul hat aufgrund ihres Kopftuchs einen Ausbildungsplatz in einer Bäckerei nicht erhalten. „Der Besitzer der Bäckerei meinte, er habe kein Problem mit meinem muslimischen Glauben, aber mit Kopftüchern.“ Während Amatul das erzählt, schüttelt sie fast schon belustigt den Kopf: „Als ob mein Glaube etwas über meine Arbeit aussagen würde.“

„Wir sind doch alle Menschen“ 

Bei dieser Aussage nicken Amira und Rani zustimmend. Amira, die in ihrem Heimatland bei einer Behörde gearbeitet hat, trägt ebenfalls ein Kopftuch. Sie ergänzt: „Man hört leider häufig, dass es Frauen mit Kopftüchern schwerer haben, einen Job zu finden. Aber bei IKEA zählt nur meine Arbeit. Mein Aussehen, mein Geschlecht und meine Religion spielen keine Rolle – das macht es einem leicht, sich hier wohlzufühlen.“ 

Eine Beobachtung, die auch die anderen beiden gemacht haben. Für Rani, die zu Schulzeiten auch Anfeindungen wegen ihres Kopftuchs und ihrer Herkunft erleben musste, ist daher noch ein anderer Punkt wichtig: „Ich habe mir in der Schule schon immer gedacht, dass wir doch alle Menschen sind – egal woher wir kommen und welche Hautfarbe wir haben.“ Genau das sei jetzt bei IKEA gelebte Realität. Und fügt hinzu: „Ich habe immer für meine Ziele gekämpft. Ich will lernen und meine Familie stolz machen.“ Rani stockt kurz und fährt dann fort: „In den vergangenen Wochen habe ich gemerkt, dass ich alles lernen und machen kann. Das Wichtigste ist, glücklich zu sein und sich wohlzufühlen – das ist mir jetzt erst so richtig bewusst geworden.“

Perspektiven stärken für geflüchtete Menschen: Die Initiative soll Menschen dabei unterstützen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
„Für mich ist Deutschland ein tolles Land – hier werde ich als Frau ernstgenommen, darf arbeiten und eigenständig Entscheidungen treffen.“

Deutschland – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten? 

Wer den Frauen zuhört, merkt, wie vielen Herausforderungen sie sich bereits in ihrem Leben stellen mussten, wie viel Leid sie erlebt haben und wie oft sie sich nach schweren Schicksalsschlägen wieder aufrappeln mussten. Umso beeindruckender: Die positive und lebensbejahende Einstellung, die alle drei aufweisen. Mindestens ebenso auffallend ist ihr Wille, sich in Deutschland ein neues, gutes Leben aufbauen zu wollen. 

An dieser Stelle schließt sich der Kreis zum Anfang dieses Textes. Während ich bei Deutschland schnell an negative Stereotype denke, setzen Amira, Amatul und Rani all ihre Hoffnungen in mein Heimatland. Sie loben Weiterbildungsmöglichkeiten, den deutschen Rechtsstaat und die Sicherheit, in der wir hier leben… Vielleicht sollten wir uns da alle eine Scheibe von abschneiden. Denn wie schön wäre es, wenn wir alle ein so hoffnungsvolles und positives Bild von Deutschland hätten. Deutschland als Land der Vielfalt und der Entfaltungsmöglichkeiten für alle – das wäre doch was! 

Wusstest du, dass wir auch das Projekt „Mädchen. Machen. Zukunft“ unterstützen, das Save the Children dank der Hilfe von IKEA auf die Beine stellen konnte? Das Programm stärkt Mädchen und junge Frauen in Unterkünften für Geflüchtete in Berlin darin, sich selbst auszuprobieren, neue Möglichkeiten zu entdecken und ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten.

*Name von der Redaktion geändert.


Über die Autorin: Judith Alpmann

Ich arbeite bei IKEA in der internen Kommunikation und versuche, unsere Mitarbeitenden bestmöglich zu informieren und kommunikativ einzubinden. Meine große – und für alle, die mich kennen – wenig geheime Leidenschaft ist das Reisen. Neue Orte zu erkunden macht mir unglaublich viel Spaß! Als Kind habe ich in einer Ferienwohnung im Urlaub auch mein Lieblingsmöbelstück von IKEA entdeckt: Den gemütlichen Sessel POÄNG. Es war Liebe auf den ersten Blick, daher habe ich ihn mir damals auch direkt zu Weihnachten gewünscht. Seitdem begleiteter er mich durchs Leben und versprüht auch in meinem Alltag ein bisschen Urlaubsflair. Nicht zuletzt durch meine vielen Auslandsaufenthalte liegt mir Diversity and Inclusion sehr am Herzen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, wäre es, dass dieses Thema weiterhin an Bedeutung und gesellschaftlicher Aufmerksamkeit gewinnt.