Zu Hauptinhalt springen

Moderne Stickerei – ein herbstliches DIY

Die kalte Jahreszeit ist ideal für Handarbeiten – wie wäre es mit einem Stickbild?

(02.11.2022) Die gemütliche Zeit des Jahres weckt unsere Kreativität: Jetzt, wo wir wieder mehr Zeit zu Hause verbringen, locken viele DIY-Ideen, die nicht nur ein netter Zeitvertreib für die langen Abende sind, sondern auch unser Zuhause schöner machen. Ich habe vor Kurzem das Sticken für mich entdeckt und dabei festgestellt, dass es inzwischen gar nicht mehr unbedingt ein „Oma-Hobby“ ist, wie viele Menschen vielleicht denken. Moderne Stickerei befolgt kaum feste Regeln und ist gar nicht so aufwendig, wie es auf den ersten Blick scheint. Je mehr ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe, desto mehr wurden mir die vielen tollen Möglichkeiten bewusst. Mit diesem Beitrag möchte ich euch dazu ermutigen, es einfach mal selbst auszuprobieren und zeige Schritt für Schritt mein jüngstes Stickprojekt: individuelle Kissenhüllen mit herbstlichen Motiven.

Eine Botschaft noch vorneweg: Gerade am Anfang geht es beim Sticken nicht darum, ein perfektes, makelloses Werk zu schaffen. Vielmehr geht es um Spaß an der Sache, darum, verschiedene Stiche auszuprobieren und sich kreativ auszutoben.

Die Basics zum Sticken – von Stickgarn bis Thermostift.

Stickbasics und eine kleine Materialkunde

Um mit dem Sticken loszulegen, werden nicht viele Dinge benötigt. Hier ist eine kleine Liste für Einsteiger*innen:

  • 1 Schere
  • 1–2 Sticknadeln in verschiedenen Größen – diese sind meist etwas kürzer und haben ein größeres Nadelöhr als Nähnadeln.
  • 1 Stickrahmen – dieser hilft, den Stoff zu spannen und erleichtert die Arbeit. Stickrahmen gibt es aus Holz und aus Kunststoff.
  • 1 Stift, um das Stickbild auf den Stoff vorzuzeichnen. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: Es kann ein weicher Bleistift verwendet werden, ebenso wie Schneider*innenkreide. Ich bin im Internet zudem auf den Tipp gestoßen, Thermostifte zu verwenden. Diese gibt es in der Nähabteilung gut sortierter Bastelläden – eine günstigere Variante sind jedoch handelsübliche Gelroller, die durch Reibung gelöscht werden können. Sie sind mit einem Gummi auf der Rückseite versehen. Zum Löschen der Zeichnung auf dem Stoff wird jedoch einfach das Bügeleisen verwendet – wirkt fast wie Magie 😊.
  • Stickgarn – dieses ist meist sechsfädig und damit recht dick. Für feinere Linien lässt sich das Garn mühelos teilen. Dafür wird der große Strang in zwei dreifädige oder drei zweifädige Stränge geteilt. Bei der Farbwahl sind keine Grenzen gesetzt. Allerdings gibt es einen spürbaren Qualitätsunterschied. Markengarne lassen sich besser verarbeiten und bluten beim Waschen in der Regel nicht aus. Je nachdem, was bestickt wird, ist es jedoch immer ratsam, vorher einen kleinen Waschtest zu machen, um sicherzugehen, dass die Farbe des Garns nicht den umliegenden Stoff färbt. Zum Üben sind natürlich auch weniger hochwertige Garne gut geeignet.
  • Und zu guter Letzt braucht ihr noch den Stoff, der bestickt werden soll. Baumwolle oder Leinen lassen sich besonders einfach besticken, da die Stoffe recht fest und unelastisch sind. Servietten, Küchentücher oder Kissenhüllen eignen sich ideal für Anfängerinnen. Seide oder Wolle müssen hingegen mit viel Vorsicht bearbeitet werden und erfordern etwas mehr Übung.

Zum Thema Material und Utensilien noch einen Nachhaltigkeits- und Spartipp: Gestickt wird schon ewig und es haben sich sicher schon mehr Menschen daran versucht, als wir vielleicht ahnen. Deshalb stehen die Chancen gut, dass Freund*innen oder Verwandte bereits Stickequipment zu Hause haben. Da lohnt es sich nachzufragen, insbesondere, wenn ihr es erst einmal ausprobieren wollt und nicht alles neu kaufen möchtet. Auch auf diversen Kleinanzeigenportalen sind oft kostengünstige Stickbasics zu finden.

Kissenhüllen besticken – Schritt für Schritt

Bevor es losgeht, muss ein passendes Motiv her und etwas, das bestickt wird. Da sind die Möglichkeiten schier grenzenlos. Blüten- und Pflanzenelemente sind gut für den Einstieg geeignet und ergeben schöne Herbstmotive. Einfach umzusetzen sind auch Line-Art-Motive. Diese können einfach auf den Stoff gepaust und mit einem durchgehenden Stichstrich nachgestickt werden. Für meine Kissenhüllen habe ich deshalb einen Line-Art-Fuchs und eine herbstliche Pflanzensammlung gewählt.

Line-Art-Fuchsmotiv Schritt 1:

Zunächst wird die Kissenhülle gebügelt, um eine glatte Oberfläche zu bekommen. Um das Motiv zu übertragen, habe ich die Linien meiner auf den Stoff gelegten Vorlage fest mit dem Stift nachgezeichnet. Für die samtige Baumwolle eignet sich diese Methode gut, da die Linien beim Pausen in den Stoff gedrückt werden. Anschließend habe ich die Linien noch einmal mit dem Thermostift direkt auf dem Stoff nachgezogen, um sie besser sichtbar zu machen.

Das ist nur eine Möglichkeit, euer Motiv auf den Stoff zu bekommen. Einfachere Bilder können direkt frei Hand aufgezeichnet werden. Auf dünnere Stoffe lassen sich die Motive leicht am Fenster pausen. Ebenso kann blaues Transferpapier verwendet werden oder auch wasserlösliche Stickfolie. Auf diese wird das Motiv gezeichnet und auf den Stoff geklebt. Die Vorlage wird einfach überstickt und die Stickfolie verschwindet, wenn ihr Wasser über das Stickbild laufen lasst.

Auf Samt lässt sich die Vorlage ganz einfach beim Nachzeichnen durchdrücken.
Der überlappende Rückstich ergibt eine gleichmäßige, geschwungene Linie.
Der Fuchskopf im Detail.
Das INNER Innenkissen macht das Werk komplett und einsatzbereit.

Schritt 2:

Nun kann es losgehen: Zunächst wird der Stoff auf den Rahmen gespannt. Am einfachsten ist es, wenn der Rahmen das gesamte Motiv umspannt, daher lohnt es sich, die Rahmengröße passend zum Motiv zu wählen. Das in die Nadel gefädelte Garn wird am Ende mit einem Knötchen versehen, damit es beim ersten Stich nicht durchrutscht. Wer bei Line-Art-Motiven durchgehend eine einzige Stichart verwendet, bekommt am Ende ein glattes Ergebnis. Wer jedoch die Linie mit unterschiedlichen Stichen nachzieht, kann sich am Ende überraschen lassen (kleine Erinnerung: keine Regeln! 😊).

Ich habe meinen Fuchs mit einem überlappenden Rückstich gestickt. Dabei wird mit der Nadel von der Rückseite an den Anfang des Bildes eingestochen und einige Millimeter weiter oben auf dem vorgezeichneten Strich wieder versenkt. Anschließend wird sie wieder von der Rückseite des Stoffes in der Mitte des ersten Stichs durchgezogen und wird weiter oben auf der Linie wieder versenkt. Dieser Vorgang wird auf der gesamten Linie wiederholt. Dabei sollten die Stiche alle gleich lang, nicht zu fest, aber auch nicht zu locker sein. Nach einigen Stichen entsteht ein Gefühl dafür.

Tipp: Der Faden in der Nadel sollte etwa so lang sein wie der eigene Arm, dann lässt er sich mühelos durchziehen.

Schritt 3:

Nach einigen Stichen ist das Garn an der Nadel zu Ende. Um weitermachen zu können, wird der Faden auf der Rückseite der Stickarbeit verknotet, damit die gestickte Linie fixiert wird und nicht aufgeht. Ein neuer Faden wird in die Nadel gefädelt und es kann an der Stelle weitergehen, wo der Faden zu Ende war. Wenn die Linien komplett nachgestickt sind, wird der letzte Faden ebenfalls an der Rückseite mit einem Knötchen fixiert.

Schritt 4:

Sobald das Bild fertig ist, wird der Rahmen entfernt und die Kissenhülle zum Bügeln auf Links gedreht. Beim Bügeln kommen nicht nur die letzten Knitterfältchen raus, auch die mit dem Thermostift vorgezeichneten Linien verschwinden spurlos. Nun ist das Stickbild fertig und die individuell bestickte Kissenhülle verbreitet herbstliche Stimmung im Zuhause.

Tipp: Die Rückseite mit all den Knötchen und Fäden kann ganz schön wild aussehen. Bei der Kissenhülle zum Beispiel bekommt diese aber nie jemand zu Gesicht. Deshalb darf hier Chaos sein und sollte niemandem den Spaß verderben.

Für die zweite Kissenhülle habe ich ein etwas komplexeres Herbstpflanzenmotiv gewählt. Den Halbkreis, der die Pflänzchen umringt, habe ich mithilfe einer Schüssel nachgezogen. Im Wesentlichen habe ich auch hier die oben genannten Schritte befolgt. Allerdings kamen hier mehrere verschiedene Sticharten zum Einsatz:

Die frei vorgezeichnete Vorlage für das Pflanzenmotiv ist von den herbstlichen Gewächsen inspiriert. Die Pilze sind mit dem Plattstich ausgefüllt.

Der Plattstich: Diesen Stich habe ich beispielsweise für die Pilze benutzt. Dabei wird das vorgezeichnete Bild in einfachen aneinandergereihten Linien mit dem Garn ausgefüllt.

Der Stielstich: Wie der Name schon verrät, eignet sich dieser Stich bestens für Linien und Pflanzenstiele aller Art. Er ähnelt dem oben genannten Rückstich – jedoch wird die beim einfachen Stich entstehende Schlaufe immer zu einer Seite weggehalten, bevor die Nadel von der Rückseite in der Mitte des Stichs wieder auftaucht.

Der Knötchenstich findet sich auf den Blüten der Staude rechts in Stickbild: Dazu wird der Faden auf der Oberseite der Stickerei zweimal um die Nadel herumgewickelt und vorsichtig festgezogen. Damit ein gutes Knötchen entsteht, sollte der Faden von sich weg, also nach vorne um die Nadel gewickelt werden.

Die Webrose: Mit dieser Technik lassen sich runde Flächen gut füllen, so wie meine roten Beeren. Dazu wird im vorgemalten Kreis mit fünf einfachen Stichen eine Art Schneeflocke gestickt. Anschließend wird um diese Stiche mit der Nadel rundherum darunter und darüber gewebt. Ist der Kreis voll ausgefüllt, wird die Nadel dicht an der Seite der Webrose im Stoff versenkt und das Stickelement auf der Rückseite mit einem Knötchen fixiert.

Mit diesen Stickbasics ist eigentlich jede*r optimal gerüstet, um sich an eigenen Werken kreativ auszuprobieren. Und egal, ob Kissenhülle, Duftsäckchen, T-Shirt oder besticktes Kosmetiktäschchen – die von Hand veredelten Dinge eignen sich ideal zum Verschenken. Schließlich steht Weihnachten schon bald vor der Tür.

Du suchst weitere herbstliche DIY-Tipps? Dann nichts wie los zum Kerzen-Upcycling!


    Über die Autorin: Luna Kilian

    Für IKEA bin ich als externe Autorin immer auf der Suche nach interessanten Persönlichkeiten, Tipps für guten Schlaf und Dingen, die das Leben schöner machen. Und letztere, die mir besonders viel Freude bereiten, finden bei mir zu Hause ihren Platz im VITTSJÖ Regal. Dort tummeln sich neben meinen Lieblingsbüchern witzige und kuriose Gegenstände. Darunter der Gipsabdruck meiner Zähne unter einer Glasglocke, unsere Hausbar oder mein getrockneter Brautstrauß. Neben dem Horten von Skurrilitäten gilt meine Leidenschaft dem Zirkus. Schon als Kind bin ich in die Manege abgehauen und wurde immer wieder während einer Vorstellung von genervten Artisten meiner Mutter übergeben. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir eine Superkraft wünschen, mit der ich die Zeit anhalten kann – davon haben wir so wenig…


    Jetzt weiterlesen!