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Nachhaltig und mit Herzblut dabei – Interview mit Nachhaltigkeitsentwicklerin Kimberly

Ausgewählte Secondhand-Mode und B-Ware mit kleinen Unperfektheiten als nachhaltige Shopping-Alternative im modernen Ladenkonzept.

(12.09.2022) Manchmal habe ich Zweifel daran, ob meine “kleinen” individuellen Handlungen überhaupt etwas bewegen, um die Welt wieder nachhaltiger zu machen. Ich frage mich, was es bringt, wenn ich die Fast Fashion Industrie boykottiere, mich vegan ernähre oder im Unverpacktladen um die Ecke einkaufe. Doch genau diese „kleinen“ Gedanken und die damit einhergehende große Motivation zu Veränderungen kann der Beginn von etwas ganz Großem sein. Wie schnell aus einer „kleinen“ grünen Idee beispielsweise ein eigenes nachhaltiges Unternehmen werden kann, wurde mir im Gespräch mit meiner Kollegin Kimberly erst wieder richtig bewusst.

Kimberly ist seit zwei Jahren Sustainability Developer (Nachhaltigkeitsentwicklerin) bei IKEA. Zu ihren Aufgaben gehört es unter anderem, unsere Kolleg*innen und Lieferant*innen in Nachhaltigkeitsthemen zu schulen und sie bei Fragen zur Umsetzung des  IKEA Verhaltenskodex IWAY zu unterstützen. Indem wir eine Risikobewertung all unserer Lieferant*innen bereits im Einkaufsprozess durchführen, können wir eine umwelt-, sozial- und tierverträgliche sowie rechtskonforme Lieferkette sicherstellen. Kimberly schafft es bereits mit ihrer Arbeit bei IKEA, unsere Welt ein Stück nachhaltiger zu machen. Aber sie möchte noch mehr erreichen. Und so gründete sie zusammen mit ihrer Freundin Susanne das Label SEAMSfine. Was genau steckt hinter dem Label und wie ist es dazu gekommen? Darüber habe ich mit Kimberly gesprochen. 

Hej Kimberly, wie kam es denn nun zur Gründung von SEAMSfine?

Die Gründung war ein totaler Glücksfall, da wir Ende 2020 an einem Wettbewerb zur Unterstützung von nachhaltigen Unternehmen teilnahmen und somit den lang ersehnten Traum eines eigenen Seconhand Shops wahr werden lassen konnten.

Wie kommt es, dass du Secondhand Ware anbieten möchtest?

Mittlerweile wissen wir alle, dass Fast Fashion zwar günstig, aber nicht gut ist. Es wird einfach billig in Übermaßen produziert, konsumiert und am Ende weggeworfen oder verbrannt. Ein nachhaltiger Umgang mit den uns noch verbleibenden Ressourcen sieht anders aus. Es gibt bereits so viel ungetragene Kleidung, die bei uns zu Hause in den Kleiderschränken einstaubt und die gerne eine zweite Chance bekommen würde. Mit SEAMSfine versuchen wir einen Ort zu schaffen, an dem die einen ihre aussortierten Teile abgeben und sich andere genau in diese Teile verlieben können.

Sustainability Developer Kimberly (rechts) zusammen mit ihrer Freundin und Geschäftspartnerin Susanne.
Im HENNI in Bremen werden Shopaholics mit Umweltbewusstsein schnell fündig.

Wie reagierst du darauf, wenn Freund*innen bei Fast Fashion einkaufen und dir davon erzählen?

Oft ist den Leuten ja gar nicht klar, was genau hinter Fast Fashion steckt. Daher kläre ich gerne auf, ganz ohne erhobenen Zeigefinger. Ich habe früher auch wahllos geshoppt, es war ein richtiges Hobby mit meinen Freund*innen auf Schnäppchenjagd zu gehen. Heute kaufe ich fast nur noch Secondhand und meist nur noch bei uns im eigenen Laden. Ich bin sicher eine unserer besten Kund*innen. Allerdings habe ich mir die Regel gesetzt „zieht etwas ein, zieht etwas aus“, das heißt ich tausche meine Kleidung auch aus und sehe zu, dass „doch nicht so sehr geliebte“ Teile dann eine dritte Chance bei uns im Laden bekommen.

Was würdest du denn deinen Freund*innen stattdessen raten? Wie können sie sich an nachhaltigere Mode herantasten?

Einfach mal ausprobieren und in Secondhand Geschäften stöbern oder auch Fair Fashion Onlineshops nutzen. Es gibt mittlerweile tolle neue Konzepte und ein breites und modernes Angebot. Wir müssen nicht von heute auf morgen alles ändern, aber wir können uns die tollen Alternativen ja mal anschauen. Und ich sage immer „klein anfangen“ und jeder Schritt zählt!

Vielen Dank, liebe Kimberly, für dieses inspirierende Gespräch. Es ist schön zu sehen, wie wir alle mit großen oder kleinen Schritten etwas in der Welt verändern und bewegen können – wir müssen lediglich den Mut haben, uns zu trauen. Du möchtest mehr erfahren, wie auch IKEA Ressourcen schont? Dann begleite unsere Reise zu einer zirkulären Matratze.

Was genau verkauft ihr denn bei SEAMSfine?

Wir verkaufen PRELOVED Fashion und B-LOVED Pieces, also ausgewählte Secondhand Mode und Ware mit kleinen Unperfektheiten und Makeln oder Einzelstücke und Überschussware. Das verkaufen wir alles in unserem Laden HENNI in Bremen, den wir gemeinsam mit einem weiteren Label führen. Deshalb werden dort auch plastikfreie Neuwaren anderer nachhaltiger Marken verkauft. Unsere Kund*innen im Laden können sich sicher sein, mit einem nachhaltigen Produkt nach Hause zu gehen.

Und das machst du noch neben deinem Job bei IKEA?

Genau, mein Hauptjob ist nach wie vor bei IKEA und zusätzlich arbeite ich an ein bis zwei Tagen die Woche für unser Label. Mir gefällt meine Arbeit bei IKEA unglaublich gut und sie unterstützt mich sehr in meiner Selbstständigkeit. Nachhaltigkeit in der Lieferkette zu garantieren ist bei beiden Jobs wichtig und ich konnte viel Gelerntes bei SEAMSfine anwenden.

Kund*innen von SEAMSfine können sich sicher sein, mit einem nachhaltigen Produkt nach Hause zu gehen.

Über die Autorin: Claudia Seibert

Zu meinem alltäglichen Arbeitsbereich gehört die Kommunikation vieler spannender Themen rund um IKEA Deutschland. Mein aktuelles Lieblingsprodukt von IKEA ist die VINDKAST Lampe. Sie hängt in meinem Schlafzimmer und macht ein wunderschön verträumtes Licht. Meine nicht ganz so geheime Leidenschaft ist das Backen und Kochen. Ich probiere gerne neue Rezepte aus und lasse mein Umfeld daran teilhaben. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir mehr Liebe auf der Welt wünschen – mehr Liebe zu unserer Erde, zu unseren Mitmenschen und zu uns selbst.


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