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Stecklinge ziehen: So wächst dein Indoor-Dschungel

(21.03.2022) Zimmerpflanzen verleihen unserem Zuhause eine Seele, sie sorgen für gute Luft und wirken sich positiv auf unsere mentale Gesundheit aus, denn oft tut es einfach gut, sich um die grünen Freunde zu kümmern. Zudem sind sie wertvolle Interior-Pieces, die einen Raum auch optisch aufwerten und dezent Farbe ins Haus holen. Besonders nachhaltig ist es, Pflanzen zum Beispiel über Stecklinge oder Ableger zu vermehren. Über die jungen Pflänzchen freuen sich auch Freunde und Bekannte, denn selbst gezogene Topfpflanzen sind immer ein nettes Mitbringsel und eine schöne Erinnerung. Hier erfährst du, welche Pflanzen sich besonders einfach vermehren lassen, wie du am besten vorgehst und was es dabei zu beachten gibt.

Manche Pflanzen haben Wurzelansätze angelegt, die bei Kontakt mit Wasser oder Erde wachsen. 

In der Regel ruhen Zimmerpflanzen etwa ab dem Herbst bis zum Frühlingsbeginn. In dieser Zeit bilden sie keine neuen Triebe oder Blätter, sollten nicht gedüngt und auch weniger häufig gegossen werden. Im Frühjahr werden sie dann wieder aktiv: Sie beginnen zu wachsen und lassen sich in dieser Zeit – bis in den Sommer hinein – mit den größten Erfolgsaussichten vermehren. Je nach Pflanzenart kommen unterschiedliche Vermehrungsmethoden infrage.

Ableger: Wenn euch die Mutterpflanze die Arbeit abnimmt

Eine natürliche Weise der Pflanzenvermehrung funktioniert über Ableger. Vorausgesetzt, die Pflanzenart ist genetisch in der Lage dazu, Ableger zu bilden. Manche Pflanzen können dies nicht und vermehren sich ausschließlich über Samen oder über Wurzeln. Ist ersteres der Fall, so macht die Mutterpflanze die ganze Arbeit von allein: Ableger können neben der Pflanze oder aus ihr herauswachsen. Diese können abgetrennt und zum Bewurzeln in einen Behälter mit Wasser oder direkt in feuchte Anzuchterde gesteckt werden. Pflanzen, die selbst Ableger bilden, sind zum Beispiel die Grünlilie, Bromelie, die Aloe Vera oder die beliebte „Ufopflanze“.

Über Stecklinge Babypflanzen züchten

Die Vermehrung über Stecklinge erfolgt, indem bei dafür geeigneten Pflanzen an einer bestimmten Stelle Pflanzenteile abgeschnitten werden, die später zu eigenständigen Pflänzchen werden. Der Schnitt erfolgt im Idealfall an einem Knotenpunkt unterhalb der letzten paar Blätter am Ende eines Triebs. Bei manchen Pflanzen sind an diesen Punkten genetisch bereits Wurzelansätze angelegt, die bei Kontakt mit Wasser oder Erde zu wachsen beginnen. 

Die Mutterpflanze sollte dafür jedoch groß genug und gesund sein. Der abgeschnittene Steckling kommt anschließend ebenfalls in einen Behälter mit Wasser oder in feuchte Anzuchterde. Dort bildet er mit der Zeit die Wurzeln aus. Das funktioniert zum Beispiel mit Pflanzen wie Efeutute, Monstera oder dem Zebrakraut.

Neben den Stecklingen von einem Trieb gibt es auch sogenannte Blattstecklinge. Dabei wird ein einzelnes Blatt abgeschnitten und mit der Schnittstelle in Erde oder Wasser zum Bewurzeln gesteckt. Bestens dafür geeignet sind etwa die Glücksfeder oder der Bogenhanf.

Tipp: Wird der Steckling oder der Ableger zum Bewurzeln ins Wasser gesetzt, solltest du dieses regelmäßig austauschen, denn die jungen Pflänzchen verbrauchen den im Wasser enthaltenen Sauerstoff sehr schnell. Wenn du deine Stecklinge direkt in die Anzuchterde steckst, solltest du dafür sorgen, dass die Erde gleichmäßig feucht bleibt. Das gelingt am besten, wenn du die Erde oder den kompletten Behälter mit Frischhaltefolie abdeckst und so ein Gewächshaus-Mikroklima schaffst.

Durch Wurzelteilung zu neuen Pflanzen

Eine weitere Methode ist die Wurzelteilung – hier ist der Name Programm. Diese Art der Pflanzenvermehrung funktioniert bei Pflanzenarten, die sich natürlicherweise über ihr Wurzelwerk vermehren und dort neue Knollen oder Wurzelknoten bilden. Dafür werden die Pflanzen aus dem Topf herausgenommen und vorsichtig in ihre einzelnen Bestandteile nach Wurzelknoten auseinandersortiert. Anschließend können die kleinen Pflänzchen jeweils in einen eigenen Topf eingepflanzt werden. Dafür eignen sich zum Beispiel Ctenanthen, Maranten oder auch die Glücksfeder.

DIY: Stecklinge ziehen – in sechs Schritten

Für meine Stecklinge habe ich das Zebrakraut und eine Monstera-Art, die Monstera Adansonii, verwendet – das Prinzip ist aber bei beiden Pflanzen gleich.

Schritt 1: Um Stecklinge zu produzieren, brauchst du nur wenige Utensilien: eine Mutterpflanze, ein scharfes Messer oder eine Schere, Desinfektionsmittel und einen Behälter mit Wasser (oder feuchter Anzuchterde).

Schritt 2: Damit das Projekt gelingt, sollte die Schere oder das scharfe Messer vorab gut desinfiziert werden. Das verhindert, dass Keime an die Schnittstelle gelangen, die die Pflanze schwächen oder Fäule hervorrufen können.

Schritt 3: Nun gilt es, die richtige Stelle zum Abschneiden zu finden: Am besten eignet sich das letzte Stück eines Triebs mit bereits ausgebildeten Blättern. Die Schnittstelle sollte unterhalb eines Blattknotens oder – wenn vorhanden – unterhalb der angelegten Wurzelansätze gesetzt werden.

Schritt 4: Blätter in der unmittelbaren Nähe der Schnittstelle sollten entfernt werden. Wenn sie später unter Wasser oder in der Anzuchterde landen, werden sie höchstwahrscheinlich faulen und das Wachstum des Stecklings gefährden. Der Trieb sollte noch mindestens zwei größere Blätter haben, um Fotosynthese betreiben und gedeihen zu können. 

Mit einer desinfizierten Schere lässt sich ein Trieb sauber entfernen.
Die abgeschnittenen Triebe entwickeln in frischem Wasser neue Wurzeln.

Schritt 5: Der abgeschnittene und gesäuberte Trieb kommt in einen Behälter mit Wasser – und jetzt heißt es abwarten. Manche Pflänzchen, so wie mein Zebrakraut, bilden schon nach wenigen Tagen kleine Wurzeln. Andere brauchen deutlich länger – da kann es schon mal Monate dauern, doch die Geduld wird mit einer Babypflanze belohnt.

Schritt 6: Sobald der Steckling im Wasser bewurzelt ist, kann er eingepflanzt werden. Das Substrat sollte auf die Bedürfnisse der jeweiligen Pflanze abgestimmt sein, damit sie ihr volles Potenzial entfalten kann. Dazu gibt es fertige Universalmischungen im Handel. Wer jedoch die einzelnen Bestandteile besonders sorgfältig wählen möchte, kann auch selbst ein Substrat zusammenstellen.

Ein Beispiel ist der folgende Mix, der den meisten Zimmerpflanzen gerecht wird: Hinein kommen Kompost für die Nährstoffe, Perlit – ein Vulkangestein, das die Erde auflockert – und Pinienrinde, die Feuchtigkeit gut speichert. Vermischt werden die einzelnen Komponenten zu gleichen Anteilen. 

Warum selbst gezogene Pflanzen besonders nachhaltig sind

In einem schönen Blumentopf findet das junge Pflänzchen ein neues Zuhause und schenkt uns von nun an jeden Tag Freude. Doppelt schön ist es, wenn wir bedenken, wie nachhaltig selbst gezogene Pflanzen sind. Denn sie müssen keine langen Transportwege zurücklegen, zum Einpflanzen können wir Plastiktöpfchen wiederverwenden oder auf plastikfreie Alternativen zurückgreifen. Wir können auch bewusst eine umweltfreundlichere Erde wählen, die torffrei sein sollte – denn für den Abbau von Torf werden Moorgebiete trockengelegt und damit wichtige Lebensräume zerstört. So kann jede*r einen kleinen Beitrag für die Umwelt leisten und guten Gewissens den eigenen Indoordschungel wachsen lassen.

Du bist auf der Suche nach weiteren Tipps für deinen Garten, um wichtigen Insekten genügend Nahrung zu bieten? Hier findest du die Empfehlungen unseres Kooperationspartners NABU!


    Über die Autorin: Luna Kilian

    Für IKEA bin ich als externe Autorin immer auf der Suche nach interessanten Persönlichkeiten, Tipps für guten Schlaf und Dingen, die das Leben schöner machen. Und letztere, die mir besonders viel Freude bereiten, finden bei mir zu Hause ihren Platz im VITTSJÖ Regal. Dort tummeln sich neben meinen Lieblingsbüchern witzige und kuriose Gegenstände. Darunter der Gipsabdruck meiner Zähne unter einer Glasglocke, unsere Hausbar oder mein getrockneter Brautstrauß. Neben dem Horten von Skurrilitäten gilt meine Leidenschaft dem Zirkus. Schon als Kind bin ich in die Manege abgehauen und wurde immer wieder während einer Vorstellung von genervten Artisten meiner Mutter übergeben. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir eine Superkraft wünschen, mit der ich die Zeit anhalten kann – davon haben wir so wenig…