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Die Wohnung anheizen, nicht das Klima!

Mit kleinen Maßnahmen Energie einsparen und das Klima schützen. © NABU/Jule Roschlau

(05.11.2021) Ungefähr ein Drittel unseres Energieverbrauchs verwenden wir in Deutschland darauf, Wohnungen zu heizen, Wasser zu erwärmen und Häuser zu klimatisieren – eine riesige Menge! Sowohl finanziell als auch mit Blick auf den Klimawandel schlägt das gewaltig zu Buche. Die gute Nachricht ist, dass wir alle etwas tun können, um den Energieverbrauch fürs Wohnen zu reduzieren – und um damit sowohl Geldbeutel als auch Klima zu schonen.

Wer sein Haus energetisch komplett saniert, senkt den Energieverbrauch natürlich am weitesten, dazu später mehr. Aber auch im Kleinen lassen sich große Effekte erzielen, ganz ohne nennenswerte Investitionen.

Undichte Stellen am Fenster kann man ganz einfach mit einer Kerze aufspüren. © NABU/Hannes Huber

Seid ihr noch ganz dicht?

Jetzt im Winter geht vor allem in Altbauten viel Wärme durch zugige Fenster und Türen verloren. Wo genau es zieht, lässt sich ganz einfach mit einer brennenden Kerze herausfinden. Wenn es draußen eisig und windig ist, flackert die Flamme an den Stellen mit den größten Ritzen und Wärmelecks. Mit selbstklebenden Schaumstoff-Dichtungsbändern oder elastischen Profildichtungen lassen sich Fenster für wenige Euro abdichten. Zieht es unter der Wohnungstür, helfen Bürstendichtungen. Sie werden an die Tür-Unterkante geklebt oder geschraubt.

Genauer Blick auf die Heizkörper

Damit die Heizkörper ihre Arbeit effizient verrichten können, gilt es, ein paar Dinge zu beachten:

Auch wenn Heizkörper meist nicht zu den optischen Highlights zählen, sollte man sie nicht hinter Vorhängen, Möbeln oder Verblendungen verstecken. Damit sie den Raum effizient erwärmen können, muss die Luft frei zirkulieren können. Verdeckte Heizkörper dagegen verursachen einen Wärmestau und verschwenden Energie.

In vielen älteren Häusern sind die Heizkörper in Wandnischen zurückgesetzt. Das mag optisch gefällig sein, ist energetisch aber kontraproduktiv. Denn die Außenwand hinter dem Heizkörper ist logischerweise besonders dünn, so dass ein guter Teil der Heizenergie direkt nach draußen verschwindet. Wer den Aufwand scheut, die Nischen zuzumauern und die Heizkörper davor zu setzen, sollte die Nische hinter dem Heizkörper dämmen. Dazu eignen sich etwa dünne Dämmplatten mit Aluminium-Beschichtung, die die Wärme in den Raum reflektiert. Wichtig: Zwischen Dämmplatte und Heizkörper muss ein kleiner Abstand bleiben, damit die Luft zirkulieren kann.

Wenn es im Heizkörper gluckert und er sich nur ungleichmäßig erwärmt, hilft es meist, den Heizkörper zu entlüften. Das ist ganz einfach: Mit einem speziellen Schlüsselchen öffnet man das Entlüftungsventil am Heizkörper und lässt die Luft entweichen – so lange, bis Wasser statt Luft herausläuft. Nicht vergessen, ein kleines Gefäß unter das Ventil zu halten, damit es keine Sauerei gibt! Das Ventil findet sich meist oben am entgegengesetzten Ende des Zulaufs.

Cool bleiben spart Energie

Wer die Raumtemperatur um ein Grad senkt, spart rund sechs Prozent Heizenergie und reduziert damit Kosten und Emissionen. Daher ist die Investition in einen gemütlichen warmen Pullover überaus sinnvoll. Man braucht nicht mit Mütze und Handschuhen im Wohnzimmer zu sitzen, aber es muss ja auch nicht unbedingt nur im T-Shirt sein. Dämmung ergibt nicht nur an Gebäuden Sinn, sondern auch am eigenen Körper!

Dämmung der Gebäudehülle

Vor allem in älteren Häusern ist es auf Dauer sinnvoll, eine energetische Sanierung ins Auge zu fassen. Bevor der Umbau startet, sollte man sich ausführlich beraten lassen. Bei einer Energieberatung erfährt man eine ganze Menge: Wo sind die größten Defizite am Haus? Sollte vor allem das Dach saniert, die Fenster ausgetauscht oder die Fassade gedämmt werden? Was kostet das alles – und welche Förderungen gibt es dafür vom Staat? Die aktuellen Förderprogramme sind nicht zu verachten, da übernimmt der Staat schnell mal 30 Prozent der Investitionssumme – oder sogar noch mehr.

Wer sein Haus energetisch saniert, sollte immer auch eventuelle tierische Mitbewohner berücksichtigen. Überwintern Fledermäuse auf dem Dachboden oder brüten Vögel an der Fassade, lassen sich für diese Tiere im Zuge der Sanierung problemlos Quartiere anbringen. Am besten plant man das gleich von Anfang an mit ein. Dann ist man auch naturschutzrechtlich auf der sicheren Seite.

Ein Grad weniger Raumtemperatur spart sechs Prozent Heizenergie. © NABU/Hannes Huber
Wenn der Heizkörper nicht gleichmäßig warm wird, ist es Zeit zum Entlüften. © NABU/Hannes Huber

Heizanlage auf dem Prüfstand

Die alte Ölheizung kommt endlich raus? Sehr gut! Das ist eine seltene Chance, auf eine umweltverträgliche und zukunftssichere Heiztechnik umzusteigen. Eine neue Heizung kauft man nicht alle Tage, daher sollte das System für die kommenden 20, 30 Jahre passend sein. Sich mit einer Gasheizung weiter an fossile Energieträger zu binden, ist dabei meist nicht sinnvoll. Je nach Objekt kann da etwa eine Wärmepumpe in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage die deutlich bessere Lösung sein. Auch hierfür gibt es attraktive Förderprogramme, bei denen der Staat bis zu 45 Prozent zuschießt. Ein Heizungsfachbetreib ist sowohl für Planung und Umsetzung als auch für die Beantragung der Fördermittel der richtige Ansprechpartner.

Ob kleine Optimierungen oder große Sanierung: Wer Heizenergie spart, lebt kostengünstiger und schützt das Klima. Wann man damit anfangen sollte? Am besten sofort!

Du suchst weitere Tipps vom NABU? Hier findest Du 77 Klimaschutz-Tipps, kannst nachlesen, wie du blitzblank und zugleich umweltfreundlich putzen kannst, und erfährst, was es mit „Grauer Energie“ auf sich hat.


Über die Autorin: Lisa Storcks

Gastbeitrag von Lisa Storcks, Referentin für Energiepolitik und Klimaschutz beim NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V. Jeden Monat gibt es einen Tipp vom NABU für ein nachhaltigeres Leben auf dem IKEA-Unternehmensblog. Der NABU und IKEA sind seit 2011 Kooperationspartner.