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Die große bunte Vogelshow

Zur Stunde der Gartenvögel 2022 kann jeder mitzählen – zum Beispiel ausgerüstet mit Klemmbrett und Fernglas. © NABU/Jule Roschlau

(05.05.2022) Ein Garten ohne Vögel? Mag ich mir gar nicht vorstellen. Wie gern beobachte ich Blaumeisen, wenn sie akrobatisch Birkenkätzchen nach Nüsschen absuchen. Ich liebe es, dem Grünspecht dabei zuzusehen, wie er am Boden Ameisen aufpickt, und die Ringeltauben, wenn sie im Frühjahr die reifen Beeren des Efeus genießen. Vögel zu beobachten ist das ganze Jahr über spannend – besonders aber im Mai, wenn die Aktivitäten der Vogelwelt ihren Höhepunkt erreichen, wenn alles singt und eifrig nach Futter für den Nachwuchs sucht. Und wenn der NABU einmal mehr die „Stunde der Gartenvögel“ ausruft – in diesem Jahr schon zum 18. Mal!

Sechs Augen sehen mehr als zwei: Bei der „Stunde der Gartenvögel“ kann die ganze Familie mitmachen. © NABU/Sebastian Hennigs

Für diejenigen, die diese Aktion noch nicht kennen: Am zweiten Maiwochenende – 2022 also vom 13. bis 15. Mai – rufen der NABU und sein bayerischer Partner Landesbund für Vogelschutz (LBV) alle Menschen auf, eine Stunde lang Vögel zu beobachten, zu zählen und die Sichtungen zentral zu melden. Die Beobachtungsdaten aus ganz Deutschland setzt der NABU dann zu einer Gesamtschau unserer Vogelwelt zusammen. So gewinnen wir über die Jahre wichtige Erkenntnisse über das Auf und Ab der Bestände, über Veränderungen der Vogelwelt speziell im Siedlungsraum, die ansonsten vielleicht erst sehr viel später auffallen würden, und letztendlich darüber, welche Vögel unsere Hilfe benötigen.

Vögel beobachten und zählen

Mitmachen können alle Interessierten, es braucht keine speziellen Vorkenntnisse. Beobachten kann man im Garten, in Parks oder auf Friedhöfen – einfach irgendwo innerhalb einer Siedlung. In der einen Stunde sollte man alle Vögel der unterschiedlichen Arten zählen, die man – wichtig! – gleichzeitig sieht. So verhindert man, dass man ein und dieselbe Blaumeise mehrfach zählt. Für alle, die die vielen Vogelarten in unseren Gärten noch nicht sicher unterscheiden können, gibt es vom NABU viele Tipps und Zählhilfen. Alle Infos finden sich unter www.stundedergartenvoegel.de. Dort lassen sich die eigenen Ergebnisse auch ganz einfach online eingeben.

Ausrüstung braucht man zur Vogelbeobachtung eigentlich nicht. Klar, ein Fernglas macht die Sache ein wenig attraktiver, weil sich damit die Vögel „näher ranholen“ lassen und sie besser zu erkennen sind. Es geht aber auch problemlos ohne. Wer richtig viel erleben möchte, beobachtet am besten früh am Morgen, denn dann sind die meisten Vögel unterwegs und die Chance, viele unterschiedliche Arten zu entdecken, ist am größten. Mittags ist es eher ruhiger, gegen Abend ist dann in der Regel wieder ein bisschen mehr los.

Gewinner und Sorgenkinder

2021 wurden übrigens beeindruckende 3,1 Millionen Vögel gezählt und gemeldet – das geht natürlich nur, wenn möglichst viele Menschen mitmachen. Und je mehr Menschen mitmachen, desto aussagekräftiger werden die Daten, die der NABU auswertet. Die Spitzengruppe der am häufigsten beobachteten Vogelarten ist seit Jahren ähnlich besetzt. Typischerweise finden sich auf den vorderen Plätzen Haussperling, Amsel und Kohlmeise. Daneben gibt es aber zahlreiche Sorgenkinder, deren Bestände sich auf niedrigem Niveau eingependelt haben, etwa Mauersegler, Mehlschwalbe, Zaunkönig, Hausrotschwanz und Mönchsgrasmücke. Auffällig ist, dass es sich dabei ausschließlich um Insektenfresser handelt. Für uns, die wir den Vögeln etwas Gutes tun wollen, ist das eine alarmierende, aber auch hilfreiche Information: Offensichtlich fehlt es vielerorts an Insekten, um die Vögel satt zu machen.

Gartenvögeln helfen

Wer Vögeln helfen möchte, sollte daher auf jeden Fall auch etwas für Insekten tun. Wobei deren Ansprüche sich mit denen unserer Vögel in vielen Fällen decken. Beide brauchen naturnahe Gärten, in denen sie die richtigen Strukturen finden. Das Schöne ist: Die meisten Dinge lassen sich in jedem Garten ohne großen Aufwand realisieren.

  • Heimische Wildstauden ziehen Insekten an und bilden Samen aus und sind dadurch für Vögel in doppelter Hinsicht eine unverzichtbare Nahrungsquelle.
  • Hecken und heimische Gehölze bieten Blüten für Insekten sowie Früchte, Nist- und Versteckmöglichkeiten für Vögel.
  • Eine bunte Wiese statt eines sterilen Rasens schafft Lebensraum für zahlreiche Tiere. Für den Anfang reicht es auch, einfach von selbst aufgehende Wildkräuter im Rasen zuzulassen und seltener zu mähen.
  • Vielfältige Strukturen wie Hecken, Teiche, Wiesen, Obstbäume, Trockenmauern, Sandwege, Reisighaufen und begrünte Hauswände sind Heimat für eine vielfältige Tierwelt.
  • Unterschiedliche Nisthilfen bieten den verschiedenen Vogelarten ein Dach über dem Kopf für den Nachwuchs. Vom geschlossenen Kasten über die Halbhöhle bis zur Schwalbennisthilfe – die Vielfalt macht‘s.
  • Auch Fledermäuse und Insekten sind für Nisthilfen dankbar – und sollten Vögel letztere als „Insektenbuffets“ nutzen und sich an den Insektenlarven gütlich tun, erfüllen sie letztendlich auch einen guten Zweck …

Wer zudem im Garten auf Pestizide verzichtet, ein wenig Unordnung zulässt, Laub auch über den Winter liegen lässt und Wasserstellen bereitstellt, wird bei der nächsten „Stunde der Gartenvögel“ merken, dass die Liste der beobachteten Vögel beträchtlich länger geworden ist. Ich wünsche viel Spaß beim Beobachten!

Vielen Dank für die vielen spannenden Infos, lieber Martin! Wie der Garten ein Paradies für Mensch und Tier wird, verrät der NABU hier!

Der Zaunkönig braucht keine Nisthilfen. Er baut sein Nest selbst – gerne unter dichten Hecken in naturnahen Gärten. © NABU/Winfried Rusch

Über den Autor: Martin Rümmler

Gastbeitrag von Martin Rümmler, Referent für Vogelschutz beim NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V. Jeden Monat gibt es einen Tipp vom NABU für ein nachhaltigeres Leben auf dem IKEA Unternehmensblog. Der NABU und IKEA sind seit 2011 Kooperationspartner.

© Martin Rümmler

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