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Fledermäuse: Nachtaktive Nachbarn

© NABU/Jule Roschlau

(28.09.2022) Mitte der 1980er-Jahre rangierten Fledermäuse in Umfragen regelmäßig am unteren Ende der Beliebtheitsskala. Das hat sich zum Glück geändert. Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass unsere heimischen Fledermäuse über beeindruckende Fähigkeiten verfügen, Nacht für Nacht tausende Mücken wegfangen und außerdem natürlich völlig harmlos sind. 

Ihr Ruf hat sich also deutlich verbessert, nicht aber die Bestandssituation. 25 Fledermausarten sind in Deutschland heimisch. Nur neun gelten laut Roter Liste als ungefährdet. Höchste Zeit also, etwas für die Schönen der Nacht zu tun.

Quartier gesucht

Im Sommer suchen viele Fledermäuse tagsüber Schutz in Spalten, Nischen und Baumhöhlen. Weil diese jedoch an modernen Häusern und in vielen Gärten zunehmend Mangelware sind, hilft es, künstliche Quartiere aufzuhängen – am einfachsten die sogenannten Fledermausbretter oder Flachkästen. Die kann man ganz leicht selbst bauen oder auch fertig kaufen. Aufhängen sollte man sie in mindestens drei, besser vier Metern Höhe, damit die Fledermäuse sie von unten gut anfliegen können und sie sicher vor Beutegreifern sind.

Optimalerweise bringt man gleich mehrere Quartiere an, etwa an allen vier Hausseiten oder auch an Bäumen. So können die Fledermäuse immer den Kasten beziehen, der je nach Wetter gerade am besten temperiert ist. Mein Tipp: Nicht verunsichern lassen, wenn die Kästen unbewohnt zu sein scheinen! Manchmal sind Fledermäuse nur ein paar Tage im Jahr vor Ort oder auch nur kurze Zeit am Tag. Die Kästen sind dann trotzdem wichtig, auch wenn die Bewohner nicht zu sehen sind!

Diese relativ kleinen Kästen sind prima Sommerquartiere für einzelne Tiere. Wenn es um den Nachwuchs geht, brauchen aber selbst die winzigen Zwergfledermäuse das Ganze eine Nummer größer. Sie richten sich ihre Wochenstube für den Nachwuchs nämlich gerne gemeinsam ein und ziehen den Nachwuchs dann in Kolonien auf.

Typischer Flachkasten für Fledermäuse „Marke Eigenbau“. © NABU/Torsten Porstmann
Die Duft-Nachtkerze macht auch tagsüber viel her. Für Fledermäuse ist sie besonders wichtig, weil sie auch nachts blüht und im Dunkeln Insekten anlockt. © NABU/Helge May

Fleisch ist unser Gemüse

Auch wenn es in anderen Erdteilen vegetarische Fledermäuse gibt: Unsere heimischen Fledermäuse brauchen proteinreiche Insekten in Massen, um satt zu werden. Mehrere tausend Mücken erbeutet eine Fledermaus pro Nacht! Wer Fledermäusen helfen möchte, sollte daher dafür sorgen, dass es viele Insekten gibt – am einfachsten mit einem naturnahen Garten. 

Dabei gilt es, viele unterschiedliche Strukturen zu schaffen und viele heimische (Wild-)Pflanzen anzubauen. Blumenwiese und blühende Hecken, Gartenteich und Trockenmauer, Reisighaufen und Staudenbeete – wer im Garten für Strukturreichtum sorgt, fördert die Insektenbestände und macht Fledermäuse glücklich.

Insekten ohne das gewisse Etwas

Wer so viele Insekten frisst wie unsere Fledermäuse, ist besonders darauf angewiesen, dass wir mit Pestiziden sparsam umgehen. Denn zum einen reduzieren Gifte direkt die Bestände vieler Insekten. Und zum anderen sind Insekten, die mit Pestiziden behaftet sind, keine gesunde Nahrung für Fledermäuse – das ist ja logisch. Wer Fledermäuse mag, sollte daher die Giftspritze im Keller lassen – oder noch besser gleich wegwerfen!

Küchenschluss im Morgengrauen

Fledermäuse sind bekanntermaßen nachts und in der Dämmerung unterwegs, um Fluginsekten wie Mücken, Käfer und Falter zu fangen. Und die sind vor allem da unterwegs, wo sie Nahrung finden – und zwar auch nachts. Daher sollten wir im Garten auch Pflanzen anbauen, die nachts blühen und so Insekten anlocken.

Es gibt eine ganze Reihe sehr hübscher und für Nachfalter und Co. sehr wertvoller Pflanzen für alle Standorte. Das reicht von der Duft-Nachtkerze über den wohlbekannten Schnittlauch bis hin zu Gehölzen wie Gemeiner Schneeball und Hasel.

Licht aus!

Fledermäuse brauchen kein Licht, um ihre Beute zu fangen, weil sie mit ihren Ultraschallrufen ihre Umgebung auch im Stockdunkeln genau wahrnehmen. Die meisten Fledermäuse sind jedoch nicht nur nicht auf Licht angewiesen, sie vermeiden es aktiv. Das geht so weit, dass es immer wieder Fledermäuse etwa an Kirchenfassaden gibt, die aufgrund der nächtlichen Beleuchtung überhaupt nicht mehr auf die Jagd gehen. Sie warten vergeblich auf die Dunkelheit und verhungern währenddessen in ihrem Quartier!

Am besten ist es daher – auch für Insekten und andere Tiere –, im Garten kein künstliches Licht brennen zu lassen. Wo eine zeitweise Beleuchtung notwendig ist, damit man den Weg zur Haustür findet, sollte das Licht nur so lange brennen, wie nötig. Das lässt sich etwa über Bewegungsmelder steuern – oder einfach durch konsequentes Betätigen des Lichtschalters.

Für Fledermäuse und andere Tiere ist auch die Lichttemperatur und die Ausrichtung der Lampen entscheidend. Licht im Außenbereich sollte möglichst wenige Blautöne enthalten und eher „warm“ sein. Und die Lampen sollten nur nach unten leuchten – dahin, wo das Licht gebraucht wird – also etwa auf den Weg oder die Sitzecke auf der Terrasse. Nicht nach oben oder zur Seite.

Wer diese Tipps beherzigt, kann unseren Fledermäusen viel Gutes tun. So schaffen wir es vielleicht gemeinsam, dass sich nicht nur der Ruf dieser faszinierenden Tiere verbessert, sondern auch ihre Bestandssituation.

Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür – dann heißt es: Clever heizen und die Umwelt schonen. Hier findest du die NABU-Tipps, wie du deine eigenen vier Wände richtig aufwärmst.

Wie das „Graue Langohr“ zu seinem Namen kam, ist offensichtlich. Die Ohren sind für Fledermäuse besonders wichtig, weil sie sich im Dunkeln anhand von Ultraschall orientieren. © NABU/Dietmar Nill

Über den Autor: Sebastian Kolberg

Gastbeitrag von Sebastian Kolberg, Referent für Artenschutz beim NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V. Jeden Monat gibt es einen Tipp vom NABU für ein nachhaltigeres Leben auf dem IKEA Unternehmensblog. Der NABU und IKEA sind seit 2011 Kooperationspartner.

© NABU/Philip Scholl

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