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Das Energie-ABC der Elektrogeräte

Elektrogeräte reparieren oder neu kaufen? Der NABU verrät seine Tipps! © NABU/Jule Roschlau

(23.03.2022) Wer in den vergangenen Jahren durch einen Elektronikmarkt geschlendert ist und sich die neuen Kühlschränke, Waschmaschinen und Geschirrspüler angeschaut hat, konnte schnell den Eindruck gewinnen, dass es da nur Energiewunder zu kaufen gibt. Ein Großteil der Elektrogeräte war mindestens mit Klasse A ausgezeichnet, viele sogar mit A+++. Also viel besser als sehr gut. Da macht es ja praktisch keinen Unterschied mehr, welches man kauft. Oder?

Mehr Klarheit: Links eine Glühbirne mit altem, rechts mit neuem Energielabel. © NABU/Julia Simon

Das täuscht leider. Die Unterschiede sind nach wie vor enorm. Selbst mit einem A+++-Elektrogerät konnte man nicht sicher sein, dass ein anderes nicht wesentlich weniger Energie verbraucht. Die alten Energielabels können die heutige Marktlage einfach nicht mehr abbilden. Daher hat die EU angefangen, Produkte neu zu kennzeichnen. An Waschmaschinen, Geschirrspülern, Kühlschränken und TV-Geräten sind bereits seit März 2021 neue Labels angebracht, seit März 2022 auch an Lampen und Leuchten. Andere Produktgruppen werden folgen. 

Durch die Umstellung gibt es kein A+++ mehr, sondern wieder eine einfache Skala von A (sehr gut) bis G (schlecht). Zugleich wurden die Anforderungen deutlich angehoben. Auch Elektrogeräte, die es vorher in die Topkategorien geschafft haben, erreichen heute meist nur noch C oder D. Somit hat die Industrie wieder viel Luft nach oben, um sich mit sparsameren Geräten die Auszeichnung als A- oder B-Gerät zu verdienen.

Ich finde das ziemlich hilfreich. Denn so können wir wieder auf einen Blick sehen, welche Modelle tatsächlich effizient sind.

Elektrogeräte neu kaufen oder reparieren?

Wer also eine neue Waschmaschine braucht, hat mit den neuen Labels eine einfache und gute Orientierungshilfe. Komplizierter ist die Frage, ob ich im Fall der Fälle meine Waschmaschine reparieren lassen oder doch lieber gleich eine neue, effizientere kaufen sollte. Denn klar: Auf der einen Seite verbraucht eine neue Maschine weniger Strom, auf der anderen Seite wird eine ganze Menge Energie eingesetzt, um sie zu bauen, die Rohstoffe dafür zu gewinnen und sie zu mir zu karren. Ganz zu schweigen davon, dass die alte Maschine ja dann entsorgt werden muss. 

Was ist also besser – reparieren oder neu kaufen? In der Regel ist es ökologisch sinnvoller, Elektrogeräte zu reparieren, sofern sie einigermaßen effizient sind. Einen antiken Kühlschrank aus den 1990-Jahren zu reparieren, ergibt also wenig Sinn, einen fünf Jahre alten A++-Kühlschrank dagegen schon. Wer bei der Entscheidung vor allem die Umwelt im Blick hat, kann so schon ziemlich gut einschätzen, ob reparieren oder neu kaufen besser ist. In der Bilanz macht das einen gewaltigen Unterschied: Jährlich könnten wir in Deutschland 3,9 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen, indem wir Fernseher, Smartphones, Waschmaschinen und Notebooks länger nutzen!

Natürlich spielt bei den meisten von uns auch der Blick aufs Bankkonto eine Rolle bei dieser Entscheidung. Je neuer das Gerät ist, desto mehr Geld sollte man auch aus rein wirtschaftlichen Erwägungen in die Reparatur stecken. Ausnahme: Waschmaschinen. Da lohnt es sich auch bei alten Geräten, weil die oftmals so robust konstruiert sind, dass sie auch nach einer Reparatur noch lange laufen können.

Mit einer guten Reparaturanleitung lassen sich Ersatzteile auch selbst austauschen. © NABU/Sandra Kühnapfel
Oft macht es sich bezahlt, zunächst selbst zu schauen, ob man Fehler beheben kann. © NABU/Sandra Kühnapfel

Wer repariert Elektrogeräte?

Oft macht es sich bezahlt, zunächst mal selbst zu schauen, ob man den Fehler beheben kann. Wenn die Waschmaschine das Wasser nicht mehr abpumpt, könnte dahinter auch einfach nur ein verstopftes Flusensieb stecken. Dann verrät ein Blick in die Bedienungsanleitung, was zu tun ist. 

Weitere Tipps für eine erste Diagnose und eine Reparatur auf eigene Faust finden sich auf zahlreichen Internetseiten. Dort lassen sich auch die meisten Ersatzteile erstehen. Ist man selbst mit Schraubendreher und Lötkolben eher wenig geübt, kann es sich lohnen, Rat in einem der zahlreichen Repair-Cafés zu suchen – oder doch den Kundenservice oder die Elektronikfachkraft vor Ort zu buchen.

Recht auf Reparatur

Wie reparaturfreundlich ein Produkt ist, entscheidet sich schon bei seiner Entwicklung. Denn dann legt der Hersteller beispielsweise fest, ob das Gerät einfach zu öffnen ist und sich Teile problemlos austauschen lassen. Derzeit entwickelt die Politik so genannte Ökodesignrichtlinien, die den Herstellern diese Punkte vorgeben – ein sinnvoller Weg, um Ressourcen und Energie zu sparen!

Doch wie kann man selbst erkennen, welche Elektrogeräte leicht zu reparieren sind? Das ist (noch) gar nicht so einfach. Eine gute Möglichkeit wäre ein Reparatur-Index. Deutschland plant diesen einzuführen, in Frankreich gibt es ihn bereits. „Reparatur-Index“ klingt erstmal kompliziert, ist aber ganz einfach und sehr praktisch: Auf einer Skala von eins bis zehn lässt sich daran schon beim Kauf ablesen, wie unkompliziert sich ein Gerät später reparieren lässt.

Die Politik könnte Reparaturen auch dadurch attraktiver machen, indem sie dafür sorgt, dass Ersatzteile besser erhältlich sind und Reparieren günstiger wird – etwa durch Steuererleichterungen. Die Nutzungsdauer von Elektrogeräten zu verlängern, ist also sinnvoll und möglich. Man muss es nur wollen!

Du suchst weitere Ideen für ein nachhaltigeres Leben? Hier findest du Tipps zum Energiesparen und zur Planung eines naturnahen Gartens sowie Ideen, wie du die Umwelt schonen kannst, indem du Dinge tauschst und ausleihst, statt sie neu zu kaufen.

Elektroschrott ist der am schnellste wachsende Abfallstrom der Welt. © NABU/Sandra Kühnapfel

Über die Autorin: Julia Simon

Gastbeitrag von Julia Simon, Referentin für Kreislaufwirtschaft beim NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V. Jeden Monat gibt es einen Tipp vom NABU für ein nachhaltigeres Leben auf dem IKEA-Unternehmensblog. Der NABU und IKEA sind seit 2011 Kooperationspartner.

© Jana Guerrero-Lara