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„Es gibt so viele Wege, Menschen aus der Ukraine zu helfen“

Essen für den guten Zweck: Denis (8. v.l.) und sein Team verkaufen Borschtsch und spenden den Erlös.

(20.04.2022) Kennt ihr dieses Gefühl von Machtlosigkeit, wenn ihr euch die weltweite Nachrichtenlage anschaut? Angesichts der furchtbaren Situation in der Ukraine haben viele von uns das Bedürfnis, aktiv etwas zu tun, um den Menschen zu helfen. Einige unserer IKEA Mitarbeiter*innen haben seit Kriegsausbruch Großartiges geleistet und beeindruckende Hilfsprojekte auf die Beine gestellt. Ein paar Beispiele möchten wir im Folgenden vorstellen. Ein großes Dankeschön an alle, die so viel Herzblut, Zeit und Energie einbringen, um den Menschen in und aus der Ukraine zu helfen – wir sind stolz, dass ihr bei IKEA arbeitet!

#1 Wie ist es, eine ukrainische Familie bei sich aufzunehmen, Cristina?

„Als Brasilianerin weiß ich, wie schwer es ist, Deutsch zu lernen“, erzählt Cristina Klassen, Sales Co-Worker bei IKEA Großburgwedel. Mit der fünfköpfigen ukrainischen Familie, die seit Kurzem bei ihr und ihrer Familie lebt, spricht sie daher mit Händen und Füßen, hat bei der Suche nach einem Deutschkurs unterstützt und betont, wie hilfreich Übersetzungsapps sein können – auch wenn die Übersetzungen teilweise etwas abstrus ausfielen.

„Als die Familie bei uns ankam, haben sie auf Matratzen auf dem Boden geschlafen. Wir sind dabei, es ihnen schöner zu machen.“ Dazu gehört auch, dass die ukrainische Familie durch die Unterstützung von IKEA Hannover Großburgwedel mittlerweile eine eigene kleine Küche hat, die sie nach Belieben nutzen kann. „Uns ist es wichtig, dass sich die fünf hier auch zu Hause fühlen und versuchen sie daher bestmöglich zu unterstützen“, so Cristina.

Apropos Unterstützung: Die Kinder der Familie waren anfänglich sehr zurückhaltend und schüchtern. Mittlerweile blühen sie zunehmend auf, spielen und lachen mehr und haben Freude daran, zur Schule zu gehen. Für das jüngste Familienmitglied wird noch ein Kindergartenplatz gesucht. „Aber wir hoffen, dass wir auch den bald gefunden haben, damit auch das jüngste Kind Anschluss zu anderen Kindern in seinem Alter findet“, so Cristina.

Besonders glücklich macht Cristina die Hilfsbereitschaft – von Kolleg*innen, Freund*innen und in der Nachbarschaft erhielt sie zahlreiche Sachspenden. Daher rät sie allen, die helfen möchten: „Es gibt so viele Wege, Menschen aus der Ukraine zu unterstützen. Man muss nicht direkt eine Familie aufnehmen. Auch Sachspenden, wie alte Kindersitze, Möbel und Kleidung, können sehr hilfreich sein.“

Zu einem richtigen Zuhause gehört eine Küche – die spendete IKEA Großburgwedel schnell und unkompliziert.
Denis ist gelernter Koch und bringt seine Fähigkeiten nun ein, um seinen Landsleuten zu helfen.

#2 Kann man mit Borschtsch Ukrainer*innen helfen, Denis? 

 

„No war make Borschtsch“ – das ist das Motto einer großen Benefiz-Veranstaltung, die unser IKEA Mitarbeiter Denis Kolesnikov organisiert hat. Denis stammt aus der Ukraine, lebt aber bereits seit 20 Jahren in Deutschland. Der gelernte Koch hat 2014 sogar das erste deutschsprachige Kochbuch über ukrainische Küche herausgebracht. Beruflich hat sich bei Denis einiges geändert: Er hat die Kochschürze gegen die Küchenabteilung getauscht und arbeitet mittlerweile bei IKEA Augsburg als Kitchen Production Manager.

Als der Krieg in seinem Heimatland losging, war es ihm ein wichtiges Anliegen, schnell zu helfen: „Ich habe zusammen mit meiner Familie und mit Freundinnen und Freunden Borschtsch gekocht. Borschtsch ist ein typisch ukrainisches Gericht – eine Suppe, die traditionell aus Roter Beete und Weißkohl besteht.“ Die Zutaten für die Suppe sowie für Brot und Glühwein spendeten lokale Geschäfte und Einrichtungen. Allein durch die Verkaufsaktion kam eine Spendensumme in Höhe von 6.000 Euro zusammen.

Doch damit nicht genug: Denis unterstützt ein Lebensmittellager in einer Augsburger Kirche, von dem aus Produkte in die Ukraine geliefert werden. Außerdem kümmert er sich gemeinsam mit Familienangehörigen und Freund*innen darum, dass ukrainische Geflüchtete schnell Wohnmöglichkeiten in Augsburg und Umgebung finden. Letztens erst konnte er ein Haus organisieren, in dem nun fünf ukrainische Familien leben. Bei der Einrichtung des Hauses hat wiederum IKEA Augsburg unterstützt.

Besonders stolz macht Denis die große Hilfsbereitschaft in Deutschland. „Natürlich läuft nicht immer alles perfekt, aber die Welle an Unterstützungsangeboten für die geflüchteten Menschen ist gigantisch! Ich hoffe sehr, dass die Bereitschaft so groß bleibt, denn viele der ukrainischen Geflüchteten werden noch länger auf Unterstützung angewiesen sein.“

Denis erfüllt die Situation in seinem Heimatland mit großer Angst – nicht zuletzt, da auch sein Opa noch in Kiew ist. „Er ist über 80 Jahre alt, sitzt im Rollstuhl und ist auf Hilfe angewiesen“, erzählt Denis. Momentan kümmern sich Ehrenamtliche um ihn und andere ältere Menschen, kochen Essen und bringen dieses vorbei – eine Hilfe, die sein Opa dringend benötigt. Für Dennis resultiert daraus auch der Wille, sich selbst weiter aktiv für andere einzusetzen: „Ich denke mir immer: Vielleicht kann ich hier jemandem helfen und vielleicht hilft dann auch jemand meinem Opa.“ Und daher ist Denis schon wieder fest in der Planung – ein humanitäres Konzert, vielleicht ein ukrainisches Streetfood-Angebot… an Ideen mangelt es ihm eindeutig nicht.

Aus zwei Familien wird plötzlich ein Haushalt: Cristina und ihre Familie haben ukrainische Geflüchtete bei sich aufgenommen.
Ein Herz für die Ukraine – Denis ist gerührt von der großen Hilfsbereitschaft in Deutschland.
Mit Sachspenden versucht Yuliia Menschen in der Ukraine zu helfen – ein beeindruckendes Engagement!

#3 Kann ein Stoffpanda ein ukrainisches Kind glücklich machen, Roman?

„Es ist nicht immer einfach, aber es lohnt sich“ – so fällt das bisherige Fazit von Roman Ehlert aus, Shopkeeper bei IKEA Oldenburg. Er hat gemeinsam mit seiner Frau, ebenfalls IKEA Mitarbeiterin, eine dreiköpfige Familie aus der Ukraine aufgenommen. „Als der Krieg in der Ukraine losging und wir die furchtbaren Bilder im Fernsehen gesehen haben, wussten wir: Wir müssen etwas tun“, erzählt Roman. 

Daraufhin haben sich die beiden beim Land Niedersachsen gemeldet und angeboten, eine geflüchtete Familie bei sich aufzunehmen. Vor Kurzem war es dann so weit: Eine Mutter zog mit ihrem 15-jährigen Sohn und ihrer zehnjährigen Tochter bei Roman und seiner Frau ein. Seitdem unterstützt das Paar die ukrainischen Geflüchteten bei Besuchen auf diversen Ämtern, bei der Beantragung eines Kontos und der Erlangung einer Aufenthaltsgenehmigung. Eine Herausforderung – vor allem, da die ukrainischen Gäste nur Ukrainisch und Russisch sprechen. 

Besonders schön sei aber die große Hilfsbereitschaft von Freund*innen und in der Nachbarschaft gewesen, sagt Roman. So haben beispielsweise die Nachbar*innen Fahrräder organisiert. Auch IKEA habe unterstützt: Im Gästezimmer der Familie fehlte noch ein Bett, das IKEA Oldenburg dann schnell und unkompliziert zur Verfügung gestellt habe. „Als wir gemeinsam mit der ukrainischen Familie das Bett ausgesucht haben, war die Tochter ganz begeistert von einem Stoffpanda.“ Kurzerhand kaufte Roman das Kuscheltier nach der Arbeit und schenkte es dem Mädchen. „Sie hat sich so gefreut, dass sie mich umarmt und mir ein Bild gemalt hat“, so Roman.

„Das Kind so glücklich zu sehen, hat mich ebenfalls sehr glücklich gemacht. Es zeigt einem auch selbst nochmal, warum wir uns engagieren.“ 

„Wir müssen etwas tun“ – da waren sich Roman und seine Frau einig und haben eine ukrainische Familie bei sich aufgenommen.
Mit Schrecken verfolgt Yuliia die Situation in ihrem Heimatland. Tatenlos zusehen? Für sie keine Option.

#4 Wie fühlt es sich an, wenn das Heimatland ein Kriegsschauplatz ist, Yuliia? 

Als der Krieg in meinem Heimatland losging, habe ich mich ohnmächtig und machtlos gefühlt“, beschreibt die gebürtige Ukrainerin Yuliia ihr Gefühlsleben, als bekannt wurde, dass russische Truppen in die Ukraine einmarschiert sind. Doch die Schockstarre hielt nur kurz an, denn schnell wurde Yuliia, die als Customer Relations Co-Worker bei IKEA Würzburg arbeitet, klar: „Ich kann nicht einfach zuschauen, ich muss etwas tun.“ 

Und seitdem ist sie nahezu Tag und Nacht im Einsatz: Zunächst wurde sie Mitglied eines Vereins, der sich für Ukrainer*innen einsetzt. Sie organisierte Sachspenden und sorgte dafür, dass ein lokaler Reifenhändler ein Teil seines Geländes zur Lagerung der Spenden zur Verfügung stellte. Als sie und ihre Vereinskolleg*innen feststellten, dass es an Informationen zu Hilfsangeboten mangelt und auch ukrainische Geflüchtete häufig nicht wissen, an wen sie sich in Deutschland wenden können, stellten sie kurzerhand ein Infozelt in der Würzburger Innenstadt auf. Außerdem programmierten sie eine Internetseite, gründeten eine Telegram-Gruppe und organisieren regelmäßig Demonstrationen. 

Mittlerweile ist sie zudem jeden Tag ein paar Stunden in einer Unterkunft für geflüchtete Ukrainer*innen und hilft bei allem, was anfällt. „An manchen Tagen kümmere ich mich um die Mahlzeiten, dann übersetze ich Texte, mal mache ich Arzttermine aus oder erzähle, wo man Deutsch lernen kann. Außerdem erkläre ich, wie der öffentliche Nahverkehr funktioniert oder wie man ein Bankkonto in Deutschland eröffnet.“ 

Warum sie das alles macht? „Was in der Ukraine gerade passiert, muss in der Welt gesehen werden. Wir versuchen, so viel Aufmerksamkeit wie möglich zu erzeugen. Und immer, wenn ich meinen Landsleuten helfen kann und die Dankbarkeit spüre, weiß ich, wofür ich das tue. Es ist selbstverständlich für mich.“

Vielleicht geht es dir beim Lesen der Geschichten wie mir: Das Gefühl von Machtlosigkeit werde ich angesichts des Kriegs in der Ukraine vermutlich nicht überwinden können. Aber die vielen Beispiele zeigen, dass wir alle die Möglichkeit haben, einen Beitrag zu leisten – im Kleinen wie im Großen. Vielen Dank für euer Engagement und euren Willen zu helfen – das ist großartig! P.S.: Hier findest du weitere Infos zum gesellschaftlichen Engagement von IKEA.


Über die Autorin: Judith Alpmann

Ich arbeite bei IKEA in der internen Kommunikation und versuche, unsere Mitarbeitenden bestmöglich zu informieren und kommunikativ einzubinden. Meine große – und für alle, die mich kennen – wenig geheime Leidenschaft ist das Reisen. Neue Orte zu erkunden macht mir unglaublich viel Spaß! Als Kind habe ich in einer Ferienwohnung im Urlaub auch mein Lieblingsmöbelstück von IKEA entdeckt: Den gemütlichen Sessel POÄNG. Es war Liebe auf den ersten Blick, daher habe ich ihn mir damals auch direkt zu Weihnachten gewünscht. Seitdem begleiteter er mich durchs Leben und versprüht auch in meinem Alltag ein bisschen Urlaubsflair. Nicht zuletzt durch meine vielen Auslandsaufenthalte liegt mir Diversity and Inclusion sehr am Herzen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, wäre es, dass dieses Thema weiterhin an Bedeutung und gesellschaftlicher Aufmerksamkeit gewinnt.