Zu Hauptinhalt springen

Mikroplastik: Winzige Teilchen – große Probleme

© NABU/Jule Roschlau

(21.02.2022) Dass Mikroplastik sowohl Natur und Umwelt als auch unsere Gesundheit belastet, ist mittlerweile im allgemeinen Bewusstsein angekommen. Weniger bekannt ist dagegen, woher das ganze Mikroplastik stammt. Wer im Freundeskreis herumfragt, hört schnell, dass Kosmetika und Textilien aus Synthetikfasern die Verursacher seien.

Das ist nicht falsch, wird der Sache aber nicht gerecht. Denn die Hauptursachen liegen anderswo. Das Fraunhofer-Institut UMSICHT ist 2018 in einer Studie zu der Einschätzung gekommen, dass jeder Mensch in Deutschland vier Kilogramm Mikroplastik pro Jahr freisetzt. Das summiert sich jedes Jahr auf imposante 330.000 Tonnen. Hier kommen die laut Studie Top-5-Verursacher für Mikroplastik in Deutschland: 

Mikroplastik-Verursacher #1: Reifenabrieb

1.230 Gramm Mikroplastik pro Kopf und Jahr gelangen allein durch Reifenabrieb in die Umwelt. Das sind 30 Prozent der Gesamtmenge! 

Mikroplastik-Verursacher #2: Abfallentsorgung

Bei der Kompostierung, der Zerkleinerung von Abfällen und beim Recycling werden jedes Jahr 300 Gramm Mikroplastik pro Person frei.

Mikroplastik-Verursacher #3: Straßenabrieb

Im Straßenverkehr lösen sich auch aus den Straßen selbst kleine Partikel. Das macht 228 Gramm pro Jahr und Kopf aus. Dazu kommen Partikel aus den Fahrbahnmarkierungen – nochmal 91 Gramm zusätzlich! Der Verkehr hat es wirklich in sich.

Mikroplastik-Verursacher #4: Pelletverluste

Die Industrie stellt Kunststoffteile meist aus kleinen Kunststoff-Pellets her. Von diesem Granulat gehen 182 Gramm pro Kopf und Jahr verloren.

Mikroplastik-Verursacher #5: Verwehungen von Sport- und Spielplätzen

Mikroplastik entsteht durch den Abrieb der künstlichen Grashalme und vor allem durch Plastik-Granulate, mit denen der Kunstrasen gefüllt wird. Was auf den ersten Blick wie ein vernachlässigbares Nischenthema wirkt, macht rein rechnerisch 131 Gramm Mikroplastik pro Kopf und Jahr aus.

Auch bei Putzmitteln sollte man darauf achten, dass sie mikroplastikfrei sind. Und ganz wichtig: Möglichst sparsam dosieren! © NABU/Kühnapfel Fotografie
Reifenabrieb ist in Deutschland mit Abstand die Mikroplastikquelle Nummer eins. © NABU/Artur Keil

Und wie ist es mit Kosmetika und Textilien? Sie landeten in der Studie des Fraunhofer-Instituts immerhin noch unter den Top 20. Wichtig ist: Mikroplastik kommt nicht nur in Form von Reibkörpern etwa in Peeling-Produkten vor, sondern auch als Füllstoff, Trübungsmittel und Filmbildner. Mit dem bloßen Auge oder mit den Fingern erkennt man das gar nicht, weil die Teilchen so klein sind. In der EU gibt es Pläne, Mikroplastik aus Kosmetik und Putzmitteln zu verbieten, was der NABU sehr begrüßt. Bis dahin kann man sich nur an den Aussagen der Unternehmen orientieren, ob in einem Produkt Mikroplastik zu finden ist, oder in der BUND-ToxFox-App nachschauen.

Mikrofasern aus synthetischen Textilien lösen sich beim Waschen. Dabei sind nicht nur flauschige Textilien problematisch – und gleichzeitig ist auch nicht jeder Fleecepulli ein Problem. Es kommt wohl vor allem auf die Verarbeitung an. Welche Maschinen und Garne werden genutzt und welche Schnitttechniken angewandt? Das alles hat Auswirkungen auf den Abrieb. Bekannt ist: Bei der ersten Waschung ist der Abrieb am stärksten, wenn sich noch Produktionsreste lösen. Daher ist der Trend zu Fast Fashion auch eine Ursache für die Verschmutzung des Abwassers mit Textilfasern.

Was ist überhaupt das Problem bei Mikroplastik?

Eines der Hauptprobleme sind die riesigen Mengen. Das ist vor allem kritisch, weil sich Plastik in der Natur nur in immer kleinere Teilchen zersetzt, sich aber nur in Ausnahmefällen wirklich abbaut. Und selbst bei den Kunststoffen, die technisch biologisch abbaubar sind, weiß man bisher kaum, wie lange es dauert, bis sie sich in freier Natur wieder in ihre natürlichen Bestandteile zurückverwandeln.

Auch welche Folgen diese Flut an Plastikpartikeln für Natur und Gesundheit konkret hat, ist noch nicht im Detail verstanden. Bekannt ist, dass Mikroplastik beispielsweise zu Entzündungsreaktionen führen kann. Wir können aber nicht warten, bis die letzte negative Wirkung bewiesen ist. Weil Mikroplastik so lange in der Umwelt verbleibt und – einmal freigesetzt – quasi nicht mehr entfernt werden kann, müssen wir vorsorglich handeln und die Einträge so weit wie möglich reduzieren. 

Mikroplastik vermeiden

Gefordert sind vor allem Politik, Industrie und Forschung, um das Problem in großem Maßstab anzugehen. Daneben können wir alle in unserem Alltag Mikroplastik vermeiden, etwa:

  • Weniger und defensiver Auto fahren – das reduziert den Abrieb von Reifen und Straßenbelägen.
  • Second Hand-Kleidung kaufen und wenn es etwas Neues sein soll: langlebige Kleidung, am besten aus Naturfasern aus Bioanbau, kaufen.
  • Textilien nur waschen, wenn es wirklich nötig ist und die Waschmaschine voll beladen, um Abrieb zu reduzieren.
  • Naturkosmetik oder Kosmetik ohne Mikroplastik verwenden sowie feste statt flüssige Seife nutzen.
  • Bei Putz- und Reinigungsmitteln auf den Blauen Engel achten.
  • Ob Kosmetik oder Putzmittel: Entscheidend ist, sparsam zu dosieren, damit weniger schädliche Inhaltsstoffe in die Gewässer gelangen.

 

Du suchst weitere Ideen für ein nachhaltigeres Leben? Hier findest du Tipps zum Tauschen, Leihen und Weitergeben von Produkten, für den umweltfreundlichen Frühjahrsputz und zum naturverträglichen Wäschewaschen

Selten erkennt man Mikroplastik so gut wie in Peeling-Produkten. © NABU/Kühnapfel Fotografie

Noch mehr Tipps für einen nachhaltigeren Alltag gesucht? Dann wirf einen Blick in unser E-Book!

Über den Autor: Katharina Istel

Gastbeitrag von Katharina Istel, Referentin für Ressourcenpolitik beim NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V. Jeden Monat gibt es einen Tipp vom NABU für ein nachhaltigeres Leben auf dem IKEA-Unternehmensblog. Der NABU und IKEA sind seit 2011 Kooperationspartner.

© NABU/Eric Neuling