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Bestickte Ausblicke auf Amman

Designerin Tania Haddad entwarf die LOKALT Kollektion.

(20.01.2021) Wenn man sich die Entwürfe für LOKALT ansieht, fühlt man sich wie auf einer Reise durch Amman. Wir haben mit Designerin Tania Haddad über die Arbeit mit sozialen Unternehmerinnen und Unternehmern sowie die Zusammenarbeit mit IKEA gesprochen und darüber, warum sie immer wieder zu ihrer Heimatstadt in Jordanien zurückkehrt.

Von Tanias Zuhause in Amman hat man einen perfekten Blick auf die hüglige Stadt mit ihrem Zentrum in Schüsselform. Von hier aus kann man beobachten, wie Menschen ihren Lebensalltag auf die Dächer verlegen, sobald die Temperaturen steigen. Die Skyline – voller Wassertanks, Vögel, Satellitenschüsseln und Wäscheleinen – ist auch der Schauplatz, den Tania für ihren allerersten Entwurf für LOKALT verwendet hat. LOKALT ist eine neue IKEA Kollektion in Zusammenarbeit mit einheimischen Designerinnen und Designern sowie sozialen Unternehmerinnen und Unternehmern.

In Jordanien spielt sich das Leben auf den Dächern ab

„Wir haben wirklich ganz besondere Dächer. Wie in vielen anderen Orten im Nahen Osten verlagern wir unser Wohnzimmer nach draußen – den Fernseher, das Sofa, einfach alles! Ich dachte, es wäre toll, diesen Teil von Amman in meinem Design darzustellen“, so Tania. Die Modedesignerin ist in der Hauptstadt von Jordanien aufgewachsen. Obwohl sie mehrere Jahre im Ausland verbracht hat, um Mode und Design zu studieren, bleibt sie ihrer Heimatstadt in ihren Mustern treu. Mit ihrem kindlichen und Cartoon-artigen Design erzählt sie Geschichten über das Leben in Amman und verwendet dazu die Alltagsobjekte, die sie an ihre Kindheit hier erinnern.

„Amman ist für mich eine ganz besondere Stadt. Sie ist wunderschön und bezaubernd. Aber auch ein wenig chaotisch mit den vielen Menschen, den bunten Autos, den ganzen Vögeln, den engen Gassen und all den Aussichtspunkten, an denen die Menschen abends den Sonnenuntergang beobachten. Ich bezeichne dies als wunderbares Chaos. Es ist genau das Chaos, das ich vermisse, wenn ich weg bin, und das Chaos, das ich vermisse, wenn die Stadt im pandemiebedingten Lockdown ist“, erzählt Tania.

Tania legte einen besonderen Fokus auf die Dächer von Amman.
LOKALT ist eine Kollektion mit Heimtextilien, Keramik und Körben.

Hast du einen Lieblingsplatz in Amman?

„Mein Lieblingsplatz ist das Römische Theater im Zentrum von Amman. Es ist fast jeden Tag geöffnet. Man kann sich dort ganz entspannt hinsetzen und die vielen Menschen beobachten, während man Kaffee trinkt oder Zuckerwatte isst. Falls ich nicht so gut gelaunt bin oder einfach Ruhe brauche, gehe ich stattdessen zu einem Aussichtspunkt.“

LOKALT ist eine IKEA Kollektion mit Heimtextilien, Keramik und Körben, die zusammen mit vier einheimischen Designerinnen und Designern in Jordanien, Thailand und Indien entworfen wurden. Die Produktion wird in Zusammenarbeit mit sozialen Unternehmen durchgeführt, die Arbeitsplätze in Regionen schaffen, in denen sie am meisten benötigt werden.

Diese Art der Zusammenarbeit ist für Tania nicht neu. Als sie vor einigen Jahren ihre eigene Modemarke entwickelt hat, wollte sie einige der vielen Flüchtlinge unterstützen, die in Amman leben. Sie beschreibt, wie sie in der ganzen Stadt Anzeigen mit „Aushilfen gesucht“ angebracht hat und wie sie letztendlich ein kleines Team aus Schneiderinnen und Stickerinnen zusammengestellt hat, die von zu Hause aus arbeiten.

Gemeinsam mit sozialen Unternehmen

Für die LOKALT Kollektion arbeiten IKEA und Tania mit dem sozialen Unternehmen Jordan River Foundation (JRF) zusammen. Eine gemeinnützige Organisation, die nachhaltige, wirtschaftliche Möglichkeiten für einheimische Frauen und weibliche Flüchtlinge schafft. Bei der Jordan River Foundation haben Flüchtlinge unterschiedlicher Herkunft schnell von den erfahrenen Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern gelernt und arbeiten jetzt mit diesen gemeinsam.

Tania hat ihre anfänglichen Ideen für LOKALT den Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern vorgestellt, um herauszufinden, was alles machbar ist und um sich von deren Arbeit inspirieren zu lassen. „Ich habe die Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker gefragt, wie man Stickereien in meine Drucke einarbeiten könnte, und wollte gleichzeitig, dass sie ihre eigene Note mit einbringen. Sie sind so begabt. Es ist zum Beispiel umwerfend mit anzusehen, wie sie mithilfe einer Stickmaschine ein Bild direkt auf Stoffe zaubern können.“

Erfahrene Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker bringen ihre eigene Note ein.
Mit flinken Bewegungen werden Szenen aus Amman in die Textilien gestickt.

Warum denkst du, dass es wichtig ist, mit sozialen Unternehmen wie JRF zusammenzuarbeiten?

„Für mich ist es immer wichtig, mit sozialen Unternehmen zusammenzuarbeiten. Es ist eine Art, sich gegenseitig zu helfen. Wenn du ein kleines Unternehmen bist, erreichst du nur eine begrenzte Anzahl an Menschen. Eine Partnerschaft mit IKEA ändert das und ist daher sehr bedeutsam. Die Frauen bei JRF haben das Handwerk von ihren Müttern und Großmüttern gelernt und wir können die Gebräuche und die Fertigkeiten von ihnen lernen. Die Stickerei kommt bei ihnen wirklich ganz aus dem Herzen. Und wenn man die Ideen verschmilzt, kommt etwas Großartiges dabei heraus“, sagt Tania.

Die Motive der Kissenbezüge und des Überwurfs, die Tania gemeinsam mit den Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern für LOKALT entworfen hat, zeigen was charakteristisch für die Stadt ist. Der große Überwurf umfasst eine komplette Ansicht von Amman.

Kannst du uns mit auf Entdeckungstour durch Amman mit dem Motiv auf dem Überwurf nehmen?

„Dies ist der alte Teil von Amman. Du kannst die Wassertanks, die Wäsche, die Satellitenschüsseln, die alten Autos und etwas Grün ausmachen. Ich habe auch einige Vögel eingefügt, da viele Menschen auf den Dächern Vögel füttern. Die Drachen verkörpern sehr deutlich Amman und versetzen mich zurück in meine Kindheit. Im Frühling sieht man die Drachen immer über der Stadt.“

Wie sieht es mit den farbenfrohen Kleinlastern aus?

„Weißt du, es gibt eine komplette Kultur zum Design von Kleinlastern mit vielen geometrischen Formen sowie hübschen und kitschigen Zeichen. Ich habe früher viele Fotos von Kleinlastern gemacht, und beinahe jedes Mal hat der Fahrer angehalten und mir die Geschichte zum Design erzählt und wie stolz er auf das Auto ist. Das ist wirklich typisch für Amman.“

Tania nimmt uns mit LOKALT mit auf eine Entdeckungstour.

Galerie


Als Tania den Frauen bei der Jordan River Foundation zum ersten Mal das Design gezeigt hat, fingen sie an zu kichern. „Ich habe aber gemerkt, wie sehr sie es mochten. Sie wussten genau, wie die Dächer hier aussehen und haben Vorschläge gemacht, was man hinzufügen könnte. Die Muster für LOKALT stehen wirklich dafür, wie wir hier leben. Das Design ist ein Ausschnitt von dem, was man zu sehen bekommen würde, wenn man in Amman wäre“, schwärmt Tania.

Die LOKALT Kollektion wird 2021 in den Einrichtungshäusern zu finden sein.

Eine große Verantwortung

Jordanien – ein Land mit nur neun Millionen Menschen und einer hohen Arbeitslosenquote – hat eine große Verantwortung übernommen und viele Flüchtlinge der Region aufgenommen. Die gemeinnützige Organisation Jordan River Foundation und IKEA arbeiten zusammen daran, für jordanische Frauen und weibliche Flüchtlinge in dieser notleidenden Region Arbeitsplätze zu schaffen – während sie gleichzeitig Produkte kreieren, die mutig und visionär im Design sind.

Für IKEA ist nicht nur die Zusammenarbeit mit Sozialunternehmen wichtig, die IKEA Foundation unterstützt auch viele Projekte, die der Gleichstellung und dem Umweltschutz dienen. Wie das funktioniert? Das zeigen wir dir bei unserer „iWitness“-Reise nach Indien!

Gemeinsam mit der Jordan River Foundation schafft IKEA Arbeitsplätze in Jordanien.

Über die Autorin: Isolde Debus-Spangenberg

Bei IKEA Deutschland kümmere ich mich um all die spannenden und interessanten Themen, die IKEA als Unternehmen betreffen. Mein Lieblings-IKEA Möbel ist der gute alte BILLY – das beste Bücherregal der Welt und außerdem ein Alleskönner, den ich mit Türen auch als Schuhschrank nutze. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir mehr Zeit für die vielen Dinge wünschen, die ich gern mal machen würde.