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Ingka CEO Jesper Brodin im Interview

Ingka CEO Jesper Brodin besuchte Einrichtungshäuser und Planungsstudios in Berlin. Sein Credo für die Zukunft: „Neugierig bleiben auf das, was für die Menschen wirklich relevant ist“.

(29.08.2022) Mitte August hat Ingka CEO Jesper Brodin Berlin besucht. In unseren Einrichtungshäusern und Planungsstudios hat er mit Mitarbeiter*innen und Kund*innen gesprochen und sich über den Einrichtungsmarkt in der Bundeshauptstadt informiert. Auch wir haben die Gelegenheit genutzt, Jesper ein paar Fragen zu stellen.

Hej Jesper, was denkst du über Berlin? Typisch deutsch oder anders?

Berlin ist anders. Berlin hat eine ganz eigene Schwingung. Die Stadt ist sehr international, vielfältig und die Menschen sind offen für Trends, zum Beispiel wie man Lifestyle und Nachhaltigkeit kombinieren kann. In Berlin haben viele Menschen weniger Geld und Platz zur Verfügung. Das erfordert neue Denkweisen.

Apropos: Berlin ist auch die Stadt, in der IKEA neue Formate ausprobiert, wie zum Beispiel die Planungsstudios. Ist das die Zukunft für IKEA?

Die Zukunft ist bereits da. Überall, wo ich mit Kundinnen und Kunden gesprochen habe, sagen sie: Ich liebe IKEA und werde auch in Zukunft in die Einrichtungshäuser kommen. Aber wenn wir zum Beispiel an eine alleinerziehende Mutter von zwei Kindern denken, die sich um ihren Job, das Abendessen, die Hausaufgaben kümmern muss – sie hat vielleicht keine Energie mehr, abends zu IKEA zu fahren, vielleicht besitzt sie nicht einmal ein Auto. Wenn sie dann einen Tisch und zwei Stühle für ihren Balkon braucht, muss IKEA leicht und bequem erreichbar sein, egal wo, wann und wie auch immer sie mit IKEA interagieren möchte. Das war der Beginn unseres Omnichannel-Ansatzes.

Die Kundinnen und Kunden wünschen sich außerdem, dass IKEA in ihrer unmittelbaren Umgebung verfügbar ist, damit sie zusammen mit uns eine Küche oder einen Kleiderschrank planen können. Auch wenn wir in unseren kleineren Formaten nicht das typische IKEA Einkaufserlebnis bieten können, können wir hier aber die Planung für und mit unseren Kundinnen und Kunden in Ruhe durchführen. Wir wissen inzwischen auch, dass sich die Kunden wünschen, in den kleinen Formaten zusätzlich zumindest ein paar kleinere Dinge kaufen zu können. Und gleichzeitig sind die Einrichtungshäuser für das typische IKEA Einkaufserlebnis noch wichtiger geworden, denn hier finden unsere Kundinnen und Kunden eine Fülle von Inspirationen und unser Food-Angebot unter einem Dach. Darüber hinaus – und ich glaube, darüber reden wir zu wenig – können die Kundinnen und Kunden alles noch am selben Tag mitnehmen oder sich im näheren Umfeld sofort liefern lassen.

Heißt das, dass sich Einrichtungshaus und Planungsstudio ergänzen?

Ja, ich denke, das Einkaufserlebnis in den Einrichtungshäusern in Deutschland ist heute besser als jemals zuvor. Die kleinen Formate sehe ich als ideale Ergänzung, vor allem in Großstädten wie Berlin oder Paris, wo die Menschen oft kein eigenes Auto haben und IKEA direkt in der Innenstadt nutzen wollen.

Wie haben sich aktuelle Krisen wie die Pandemie oder der Krieg in der Ukraine auf IKEA ausgewirkt?

Die jüngere Generation hat vor allem von offenen Grenzen, freiem Handel und der wachsenden Zusammenarbeit in Wirtschaft und Wissenschaft profitiert. Niemand weiß das besser als die Menschen in Berlin, die heute in einer ungeteilten Stadt leben. Ich ging davon aus, dass das so bleiben würde. Es ist traurig zu sehen, dass sich die Welt heute wieder in Richtung Polarisierung und Spaltung bewegt. Der Krieg in der Ukraine ist eine menschliche Tragödie und hat uns zutiefst erschüttert. Unser Rückzug aus Russland ist die traurige Konsequenz daraus. Was wir tun können, ist, an unseren Werten und unserem Glauben an die Menschen festzuhalten.

Was die Pandemie angeht, bin ich vorsichtig optimistisch, dass wir die gesundheitlichen Probleme weitgehend gelöst haben. Mit einer eingeschränkten Warenverfügbarkeit und den Auswirkungen der Inflation werden wir noch einige Zeit leben müssen. Aber ich denke, dass wir auch hier große Chancen haben. Besonders in Deutschland sehe ich eine klare Entwicklung in Richtung Nachhaltigkeit und Energieunabhängigkeit. Wir wollen die Menschen gerade jetzt, aber auch in den kommenden Monaten und Jahren, dabei unterstützen, Energie zu sparen und Lebensmittelabfälle zu reduzieren.

Jesper Brodin im Interview mit Sabine Nold.
Hej Jesper: Der Ingka CEO gab bei seinem Deutschland-Besuch auch einen Einblick in die Zukunft von IKEA.

Dass auch wir unsere Preise aufgrund gestiegener Kosten für Ressourcen, Transport und Energie erhöhen mussten, war eine schwierige Entscheidung, insbesondere für uns, weil wir immer versuchen, einen möglichst niedrigen Preis anzubieten. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir den Herausforderungen wie Warenverfügbarkeit, Transportproblemen und Inflation in absehbarer Zeit begegnen können.

IKEA geht mit großen Schritten auf seinen 80. Geburtstag zu. Wo siehst du IKEA an seinem 100. Geburtstag?

Meine Tochter ist 19 Jahre alt und hat sich gerade eine Wohnung eingerichtet. Am Anfang gibt es da natürlich viele große, teure Wünsche und es war sehr interessant zu sehen, dass sie sich nach und nach der Realität genähert und genau geschaut hat, was sie wirklich brauchte. Und hier kommt IKEA ins Spiel und ist großartig, wenn es um die wirklichen Bedürfnisse der Menschen geht. Die Menschen werden auch in Zukunft in einem Bett schlafen und an einem Tisch sitzen. Ehrlich gesagt hoffe ich, dass wir keinen allzu konkreten Plan für die Zukunft haben. Wenn die Pandemie etwas gezeigt hat, dann, dass wir flexibel sein müssen. Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Was uns hilft, sind unsere starken Werte und der Wille zur Veränderung und Anpassung. Das Wichtigste ist, sich nicht auf Strategien festzulegen, sondern neugierig zu bleiben auf das, was für die Menschen wirklich relevant ist. Ich denke, das ist das beste Rezept für die Zukunft.

Vielen Dank für das Gespräch!

Du möchtest mehr über den CEO der Ingka Group erfahren? Dann lese jetzt, wieso er IKEA mit einem Rockfestival vergleicht!


Über die Autorin: Sabine Nold

Ich bin bei IKEA verantwortlich für Kommunikation und damit für all die spannenden Geschichten, die es hier jeden Tag zu erzählen gibt. Wenn ich nach einem Lieblingsprodukt gefragt werde, gerade ich immer in Bedrängnis: es gibt so viele. Da ich heimlich aber absolut stoffsüchtig bin und alles vernähe, was mir unter die Nadel kommt, üben die tollen bunten Stoffe bei IKEA natürlich eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Mit den Händen zu arbeiten, ist für mich der ideale Ausgleich zu dem, was ich den Tag über tue. Viele Stoffe von IKEA erzählen dabei mit ihren Motiven Geschichten aus Schweden oder einfach dem Leben von Menschen, womit wir wieder beim Thema wären…