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Fähigkeiten für eine nachhaltige Gesellschaft: Das HEi gewinnt den Preis der IKEA Stiftung 2023

Die glücklichen Gewinner*innen mit ihren Trophäen: Der Preis der IKEA Stiftung dient der Würdigung besonders innovativer Projekte, die soziale und ökologische Herausforderungen angehen oder praktische Anregungen dazu liefern, sich für einen gesunden Planeten zu engagieren.

(11.05.2023) Viele von uns suchen nach Möglichkeiten, um den eigenen Alltag nachhaltiger zu gestalten. Grundlegendes hat sich schon eingespielt: weniger Fliegen, öfter mit Bus und Bahn fahren, nur so viele Lebensmittel kaufen, wie sich auch verbrauchen lassen und die eigenen Kaufentscheidungen hinterfragen. Was mich immer wieder schmerzt, sind Situationen, in denen ich etwas entsorgen muss, aus dem man vielleicht noch etwas machen könnte oder das man doch vielleicht auch noch reparieren kann. So geht es vielen. Ob Nähprojekte oder die Aufbereitung von Möbeln– oft fehlen uns schlichtweg die Fähigkeiten, die Werkzeuge und das Wissen. 

Wir sagen Hej zum HEi

Genau hier setzt das Haus der Eigenarbeit (HEi) in München an. Das Bürgerhaus engagiert sich seit 1987 dafür, dass Menschen handwerklich tätig werden können. „Reparatur und Upcycling statt Entsorgung“, ist die Devise. Im HEi gibt es Kurse, offene Werkstätten (von Töpferei bis Schlosserei), Veranstaltungsräume und einen Ausstellungsort für Künstler*innen. Außerdem werden Langzeitarbeitslose beim Wiedereinstieg ins Berufleben unterstützt und Schulklassen mit vertiefter Berufsorientierung begleitet.

Das Engagement wurde nun mit dem mit 25.000 Euro dotierten Hauptpreis der IKEA Stiftung 2023 ausgezeichnet. Vor einigen Wochen hatten wir schon von der Auszeichnung berichtet und alle Nominierten hier im Beitrag genauer vorgestellt. Am 9. Mai fand die Preisverleihung nun im Rahmen unserer Veranstaltung OHOP (One Home One Planet) in den Räumlichkeiten unseres Partners NABU in Berlin statt. 

Keine einfache Entscheidung, aber ein einstimmiges Ergebnis

Bei zehn nominierten Projekten, die alle Beachtliches leisten, hatte die Jury wirklich die Qual der Wahl. Dennoch war sie sich einig, den Hauptpreis an das HEi zu vergeben. Jurymitglied Prof. Claus-Christian Eckhardt von der Universität Lund lobt die Einrichtung als „analoge Arche in der digitalen Welt, die Fähigkeiten vermittelt, die gebraucht werden, um eine zirkuläre Gesellschaft aufzubauen.“ Das Projekt zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie das Engagement für ein nachhaltiges Leben und für den Zusammenhalt in der Gesellschaft Hand in Hand gelingen können. Damit hat das HEi Vorbildcharakter für weiterer solcher Projekte – auch in anderen Städten. 

Der Vorstandsvorsitzende des Vereins zur Förderung von Eigenarbeit e.V., Michael Sturm vom HEi, machte seine Freude über den Gewinn deutlich: „Wow, ich bin sprachlos. Was für eine wunderbare Überraschung. Im Namen der Mitarbeitenden des HEi bedanke ich mich ganz herzlich für diese Auszeichnung. Das HEi war nicht nur die erste offene Werkstatt Deutschlands. Sie hat, entsprechend ihrem Auftrag, die Idee zu verbreiten, in den letzten 35 Jahren vielen Menschen aus ganz Deutschland beim Aufbau eigener Werkstätten beratend und praktisch zur Seite gestanden.“

Gegen die Wegwerfgesellschaft und für den sozialen Zusammenhalt – gleich zwei Lösungen für aktuelle Herausforderungen vereint das Gewinner-Projekt des diesjährigen Preises der IKEA Stiftung: Das Haus der Eigenarbeit in München (HEi).

    Lern die Preisträger*innen besser kennen und schau dir an, wie sich selbst vorstellen.

    Preisgeld ermöglicht weitere Vorhaben

    Mit dem Preisgeld  hat das HEi schon die nächsten wichtigen Anliegen im Blick. Sturm erklärt: „Für Projekte für Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien fehlten uns bisher die notwendigen Gelder, um auch ihnen die Möglichkeit zu geben, sich mit Selbermachen, Recycling und ressourcenschonenden Umgang mit Materialien zu befassen. Mit dem Preisgeld der IKEA Stiftung können wir dieses uns wichtige Anliegen im größeren Umfang angehen.“

    Anerkennungspreise: Geteilte Freude ist doppelte Freude

    Aber nicht nur das HEi durfte sich über eine Auszeichnung freuen: Neben dem Hauptpreis wurden erstmals auch zwei Anerkennungspreise verliehen. Je 5.000 Euro erhielten der Verein Sozialhelden e.V. und die Initiative Gröninger Hof eG. In beiden Fällen war die Jury beeindruckt vom Einsatz aller Beteiligten:

    Barrierenabbau mit den Sozialheld*innen: 

    Mit einem Team aus Menschen mit und ohne Behinderungen starten die Sozialheld*innen politische Kampagnen, entwickeln Apps, beraten Unternehmen, schulen Medienschaffende und erfinden Technologien, um Barrieren abzubauen und Teilhaben für alle zu gewährleisten. Damit setzen sie sich seit über 15 Jahren für Inklusion und Barrierefreiheit ein.​​​​​​​ Die Vorständin des Sozialhelden e.V., Adina Hermann, betont: „Beim Thema Nachhaltigkeit denken Menschen oft zunächst an Recycling oder erneuerbare Energien. Das ist gut und sehr wichtig. Zu oft jedoch vergisst die Gesellschaft die Dimension von Teilhabe und sozialer Gerechtigkeit: Wenn wir neue Wege schaffen, sollten diese für alle Menschen zugänglich sein.“

    Tolga Akar, IKEA Podcast Moderator und Jurymitglied beim Preis der IKEA Stiftung 2023, mit Sabine Nold, Corporate Communication Managerin bei IKEA Deutschland und Vorstandsmitglied der Stiftung bei der Preisverleihung.
    Die Sozialheld*innen machen sich dafür stark, dass Menschen mit Behinderung in allen Bereichen mitbedacht werden.
    Die Genossenschaft Gröninger Hof eG baut ein Parkhaus in Hamburg zu bezahlbarem Wohnraum um.
    Walter Kadnar (CEO und Chief Sustainability Officer IKEA Deutschland) bei der Preisverleihung. Er war Teil der achtköpfigen Jury für den Preis der IKEA Stiftung 2023.

    Wohnungsraumaufbau im Gröninger Hof: 

    Mit einer großen Portion Eigenleistung werden die etwa 400 Mitglieder der Genossenschaft Gröninger Hof ein ehemaliges Parkhaus im Herzen Hamburgs zu neuem Wohnraum umfunktionieren. Anstatt das Gebäude abzureißen, wird die Bausubstanz genutzt. Ziel ist es, ein Haus mit gut durchdachter Gestaltung anzubieten, statt teuren Wohnraum für wenige. Dorothea Heintze, Vorständin der Genossenschaft, freute sich neben dem Preis auch über eine neue Vokabel im Wortschatz:​​​​​​​ „Wir sind eine Bewegung und ein Netzwerk von engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die zeigen wollen, dass Stadtplanung auch anders geht…. und wir haben am Tag der Preisverleihung ein neues schwedisches Wort gelernt, das wir jetzt nutzen wollen: Kraftsamla.“

    Der Preis der IKEA Stiftung macht Mut

    Nach einer stimmigen Veranstaltung zeigte sich Klaus Kelwing, Vorsitzender des Vorstands der IKEA Stiftung, sehr glücklich über das Ergebnis der diesjährigen Preisverleihung: „Ein großer Dank geht an die Jury für die kluge Auswahl dieser Preisträger*innen. Die drei Initiativen zeigen anschaulich, dass es zum Thema Nachhaltigkeit großartige Ansätze und Leuchtturmprojekte in Deutschland gibt.“

    Mehr zum Preis der IKEA Stiftung erfährst du hier.

    Du bist an der IKEA Stiftung interessiert? In unserem Blogbeitrag zum 40-jährigen Jubiläum erhältst du einen Einblick in die Geschichte und Projekte.


    Über die Autorin: Navina Banerjee

    Wo wollen wir unsere Kund*innen heute und morgen treffen und wie soll das aussehen? Ob klassische Stores oder unsere innovativen Formate in den Innenstädten – ich kümmere mich bei IKEA vor allem um die Kommunikation rund ums Thema Expansion. Auch zu Hause halte ich immer Ausschau nach Ecken zum Weiterentwickeln und versuche mich an kleinen und größeren Heimwerker-Projekten. Mein liebstes Möbelstück von IKEA ist auch darum das IVAR Schrankelement. Es lässt sich beizen, seifen oder streichen, und funktioniert auf dem Boden genauso gut wie an der Wand. Auch wenn ich mich in unseren vier Wänden sehr wohlfühle, zieht es mich als Kind des Schwarzwalds doch immer wieder raus und in die frische Waldluft. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich uns allen mehr Zeit wünschen – für Waldspaziergänge, gute Konzerte und die besonderen Alltagsmomente mit lieben Menschen.


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