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Zum IDAHOTB: Miteinander reden, nicht übereinander

(17.05.2023) Am 17. Mai wird international der Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie (IDAHTOB) gefeiert. Vor allem in westlichen Gesellschaften hat sich in Sachen Gleichberechtigung und Akzeptanz viel bewegt. Und doch sind queerfeindliche Tendenzen wieder auf dem Vormarsch. Deshalb haben wir uns bei IKEA diesen Tag bunt im Kalender markiert. Wir nutzen unsere Reichweite, um jungen queeren Menschen der Generation Z eine Plattform zu geben. Wir freuen uns, dass unser Kollege Yanis aus Frankreich seine Gedanken mit uns teilt; er kommt weiter unten in einem kurzen Interview zu Wort.

Viele queere Menschen, vor allem jüngere, spüren Hindernisse, wenn es um ein offenes, diskriminierungsfreies Miteinander geht. Bei IKEA sind wir sicher, dass wir  vorhandene Widerstände ausräumen können, indem wir zuhören, verstehen, Brücken bauen und als engagierte Verbündete auftreten. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass Hindernisse allmählich verschwinden.

Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass Hindernisse allmählich verschwinden – indem wir zuhören, verstehen, Brücken bauen und als engagierte Verbündete auftreten.

#facethegap

#facethegap wurde im Jahr 2022 nach der ersten weltweiten Umfrage zum Thema Inklusion für IKEA Mitarbeiter*innen ins Leben gerufen. Die Umfrage ergab, dass die Mehrheit der LGBT+-Mitarbeiter*innen bei IKEA das Gefühl hat, am Arbeitsplatz sie selbst sein zu können. Allerdings verspürten 38 % immer noch das Bedürfnis, Teile ihrer Identität zu unterdrücken oder herunterspielen. Mit #facethegap will IKEA dazu anregen, negative Stereotypen, Mikroaggressionen – als übergriffig wahrgenommene Äußerungen in der alltäglichen Kommunikation – und andere Formen der Ausgrenzung, mit denen queere Menschen konfrontiert sind, anzusprechen und sich mit diesem offenen Umgang gegen verletzende und herabsetzende Vorurteile zu engagieren.

Trotz jahrzehntelanger Fortschritte im Bereich LGBT+ gibt es immer noch Lücken bei der Inklusion am Arbeitsplatz und in der Gesellschaft. Darum lädt IKEA weltweit unter dem Hashtag #facethegap dazu ein, jungen Menschen aus der LGBT+-Community Gehör zu schenken. Sie erzählen ihre Geschichten, Hoffnungen, Träume und Wünsche für ein inklusiveres Leben.

Was macht IKEA darüber hinaus?

IKEA unterstützt zwei Projekte, die sich an die Generation Z richten. Die Stiftung Prout@Work stellt auf ihrer Webseite ein kostenloses Onlineangebot für Auszubildende und Ausbildungsbetriebe bereit. Darin wird auf die Bedeutung eines diversen und diskriminierungsfreien Miteinanders am Arbeitsplatz aufmerksam gemacht. Das zweite Projekt wird von krisenchat.de umgesetzt. Die Organisation berät mit einem Team ehrenamtlicher Psycholog*innen und Sozialpädagog*innen junge Menschen per Chat. Seit ihrer Gründung 2020 wurden über 80.000 Beratungen in akuten Krisensituationen durchgeführt. Eine entsprechende Social-Media-Kampagne richtet sich an junge queere Menschen und stellt die Vielfalt sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität in den Fokus.

Politisch unterstützt IKEA einen Appell verschiedener Akteure an die Bundesregierung, sich für eine zügige Einführung eines Selbstbestimmungsgesetzes einzusetzen. Wir sind überzeugt: Trans*-, intergeschlechtliche und nicht-binäre Menschen müssen im Arbeitsleben und Alltag wirksam vor Ausgrenzung und Benachteiligung geschützt werden. Wer das Geschlecht ändern will, muss momentan Begutachtungen, Atteste und ein Gerichtsverfahren über sich ergehen lassen. Das pathologisiert Trans- und Intergeschlechtlichkeit, stigmatisiert Betroffene und hält sie vielfach davon ab, den für sie notwendigen Weg der Geschlechtsangleichung zu gehen.

Aus diesem Grund setzt sich IKEA dafür ein, dass das über 40 Jahre alte Transsexuellengesetz keinen Bestand haben sollte, da jeder Mensch am besten weiß, welcher Geschlechtseintrag der passende ist.

Interview mit Yanis, IKEA Frankreich

Dem Motto #facethegap gemäß gehen wir mit guten Beispiel voran und lassen unseren Kollegen Yanis (er/ihm) mit seiner Sicht auf Inklusion und ein faireres Miteinander zu Wort kommen.

Hej Yanis! Du bist 24 und arbeitest bei IKEA Frankreich. Wie identifizierst du dich?

Das ist leicht zu beantworten. Ich bin ein Mann. Das ist alles.

Was bedeutet Inklusion für dich?

Es geht darum, zu erkennen, dass wir alle unterschiedlich sind, und diese Unterschiede zu akzeptieren. Wenn wir das als Bereicherung und etwas Positives sehen könnten, dann würden wir in einer besseren und fortschrittlicheren Welt leben.

Wo fühlst du dich zu Hause?

Ich fühle mich zu Hause, wenn ich von meinen engsten Freund*innen umgeben bin. Und auch in meinem zu Hause, aber nicht im Haus meiner Eltern, sondern in meiner eigenen Wohnung. Dort fühle ich mich wohl und sicher.

Kennst du diese Freund*innen, die du erwähnt hast, schon lange?

Ja, ich habe das Glück, ein paar sehr gute Freund*innen zu haben. Sie haben mich von Anfang an begleitet und akzeptieren mich so, wie ich bin. Ich hatte viele Probleme mit meinen Eltern, und meine Freund*innen haben mich immer unterstützt. Meine Freund*innen sind die Familie, die ich mir ausgesucht habe. Ich liebe sie so sehr, ohne sie wäre ich nicht hier.

Wir müssen nicht darüber reden, wenn du nicht willst, aber wie ist dein Verhältnis zu deiner Familie?

Es macht mir nichts aus, darüber zu reden. Ich bin in einem Vorort von Paris aufgewachsen und stamme aus einer muslimischen Familie mit algerischen Wurzeln. Meine Eltern haben eine sehr negative Einstellung zur Homosexualität. Ich habe einige Jahre auf sie gehört und versucht, mich anzupassen. Ich habe versucht, so zu sein, wie sie mich haben wollten. Als ich 18 Jahre alt war, hat sich meine beste Freundin als lesbisch geoutet. Sie war so stark und sagte mir: „Du musst so sein, wie du sein willst. Ich werde für dich da sein. Ich und der Rest deiner Freund*innen werden dich unterstützen.“

Yanis arbeitet für IKEA und gibt uns einen Einblick in sein Leben.

Was könnte die Welt um dich herum tun, damit du dich stärker zugehörig fühlst?

Ich würde mir wünschen, dass die Menschen erkennen, dass wir alle mit unterschiedlichen Dingen zu kämpfen haben. Das ist wichtig, weil es uns miteinander verbindet. Wenn wir uns bemühen würden, die Person vor uns zu sehen, und Fragen zu stellen, ohne zu urteilen, dann könnten wir echtes Verständnis und Empathie entwickeln. Und genau darum geht es bei Inklusion.

Was glaubst du, wie deine berufliche Zukunft aussehen wird? Hast du das Gefühl, dass die Gesellschaft Barrieren aufbaut, weil du so bist, wie du bist?

Aufgrund meiner Erfahrungen habe ich gelernt, zwischen meinem wahren Ich und einer Version von mir zu wechseln, die nie zeigt, wer ich wirklich bin. Ist das eine gute Sache? Nein. Ist es das Richtige, wenn ich Karriere machen will? Nun, vielleicht. Ich arbeite jetzt für IKEA, da kann ich sein, wie ich bin. Wenn ich aber in Zukunft für ein anderes Unternehmen arbeiten möchte, was dann? Dann müsste ich womöglich verbergen, wer ich bin.

Hast du das Gefühl, auf der Arbeit du selbst sein zu können?

Für mich ist IKEA ein Arbeitgeber, dem Inklusion wirklich am Herzen liegt. Ich habe das Gefühl, dass ich bei der Arbeit ich selbst sein kann. Ich kann nicht für alle sprechen, aber für mich fühlt es sich so an. Ich kann zum Beispiel jeden Tag ein Schlüsselband in Regenbogenfarben um meinen Hals oder in meiner Tasche tragen. Das ist für mich sehr wichtig. Manchmal fragen mich Kund*innen danach, und dann sage ich ihnen, dass IKEA ein Unternehmen ist, das sich aktiv für Inklusion einsetzt. Das macht mich stolz, hier zu arbeiten.

Welches Gefühl gibt dir das?

Ich habe einfach das Gefühl, ich selbst sein zu können. Ich fühle mich auch von meinen Führungskräften unterstützt, so zu sein, wie ich bin, und das auch auszuleben. In meinem Einrichtungshaus engagiere ich mich für Vielfalt und Integration. Und ich glaube, wenn ich bei der Arbeit ich selbst sein kann, habe ich eine Vorbildfunktion. Ich hoffe, dass es für andere Menschen, die in diesem Einrichtungshaus und in anderen IKEA Einrichtungshäusern in Frankreich arbeiten, dadurch einfacher wird, sich so zu zeigen, wie sie sind.

Hast du bei deiner Arbeit schon einmal negative Erfahrungen gemacht?

Nicht mit Kolleg*innen, aber mit Kund*innen, ja, auf jeden Fall. Manche haben mich beschimpft oder verletzende Dinge gesagt. Aber ich kann das irgendwie ausblenden, weil ich sie als das sehe, was sie sind: Unwissend, gemein und vielleicht auch ängstlich. Ich lasse mich auf solche Situationen gar nicht erst ein. Ich gehe ihnen aus dem Weg und lasse das nicht an mich heran. Aber ich weiß auch, dass das nicht jeder so leicht wegstecken kann und sich dadurch schlecht oder verletzt fühlt.

Hast du einen konkreten Vorschlag, was IKEA und andere große Unternehmen tun könnten, um die Inklusion zu verbessern?

Ja, ich glaube, es wäre ein guter nächster Schritt, wenn wir bei IKEA anfangen könnten, im gesamten Unternehmen bevorzugte Pronomen zu verwenden. Ich bin mir sicher, dass die Situation in den meisten großen Unternehmen die gleiche ist. Dennoch müssen wir und IKEA und der Rest der Welt endlich erkennen, dass es nicht nur weiblich oder männlich gibt. Es gibt so viel mehr Möglichkeiten, zu definieren, wer man ist.

Das ist wichtig. Kannst du das näher erläutern?

Wenn wir anfangen, Pronomen zu verwenden, wird allen bewusster, dass viele Menschen nicht den binären weiblichen oder männlichen Stereotypen entsprechen. Dass jede*r heute so sein kann, wie er*sie wirklich ist. Es mag wie eine Kleinigkeit aussehen, wie ein paar zusätzliche Zeichen in einer E-Mail-Signatur, aber es hat einen großen Wert und eine große Bedeutung. Ich wäre so stolz, wenn IKEA uns Mitarbeiter*innen dazu ermutigen würde, bevorzugte Pronomen zu verwenden. Denn das würde bedeuten, dass wir die Tatsache anerkennen, dass es jetzt mehr als zwei Möglichkeiten gibt, in dieser Welt zu sein.

Vielen Dank für das Interview, Yanis! Wenn du mehr über das Thema „sich zuhause fühlen“ erfahren möchtest, lies unser Interview mit Ina und Lilith vom Lesben- und Schwulenverband über das Projekt „Queer Refugees".


Über den Autor: Marc Christian Willcox

In der Hauptsache unterstütze ich bei IKEA Deutschland die Bereiche People & Culture und Customer Fulfilment darin, ihren internen und externen Kommunikationsbedarf bestmöglich umzusetzen. Daneben unterstütze ich die interne Kommunikation und die Pressestelle von IKEA Deutschland. Meine große Leidenschaft ist gute Architektur. Bauernhäuser, historische Prachtbauten oder zeitgenössische Architektur - gut designte und funktionale Gebäude jeder Art faszinieren mich und sind die Ankerpunkte, um die herum jeder Urlaub geplant wird. Mein liebstes IKEA Produkt ist der Korbsessel STOCKHOLM 2017. Unglaublich bequem und durch sein geringes Gewicht flexibel, wandert er bei mir zwischen Leseecke, Balkon und Wohnzimmer hin und her – je nachdem, wo er gerade gebraucht wird. Hätte ich einen Wunsch frei, wäre es tatsächlich dauerhafter, weltweiter Frieden, so abgedroschen das klingen mag.


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