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Zwischen „Home-Office und „New Normal“ – wie die Corona-Pandemie die interne Kommunikation verändert

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie auf die interne Kommunikation – insbesondere im Homeoffice?

(15.10.2021) Die Corona-Pandemie hat auch die interne Kommunikation vor Herausforderungen gestellt und verändert. Und dass sie gerade in Zeiten von Homeoffice und Remote Working wichtiger denn je ist, stellt kaum jemand in Frage. Unsere Kollegin Judith Alpmann, die seit Mai Teil unseres Corporate Communications Teams ist, hat sich in ihrer brandaktuellen Masterarbeit wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigt und wurde dazu für den BdKom Talent Award 2021 nominiert. Im Interview erzählt sie, warum sie Kommunikation fasziniert und was sie herausgefunden hat.

Hej Judith, wir freuen uns, dich bei uns im Team zu haben! Wie bist du zur Unternehmenskommunikation gekommen?

Erstmal vorweg: Ich freue mich auch sehr, ein berufliches Zuhause bei IKEA gefunden zu haben! Mein Weg in die Unternehmenskommunikation begann rückblickend schon in der Schule. Da haben mir Sprach- und Geisteswissenschaften immer am meisten Spaß gemacht. Nach meinem Abitur habe ich dann ein Gap Year eingelegt und verschiedene Praktika in den Bereichen Kommunikation, Journalismus und Parteiarbeit absolviert. Danach wusste ich: Ich möchte etwas mit Medien machen. Dieser Wunsch hat sich im Zuge meines Studiums sowie durch weitere Praktika und Tätigkeiten als Werkstudentin weiter konkretisiert. Aufgrund der vielen praktischen Erfahrungen habe ich gemerkt, dass mir der Bereich Kommunikation am besten gefällt. Daher habe ich mich auch ganz bewusst für den Master „Kommunikation und Management“ an der Hochschule Osnabrück entschieden, um meine Begeisterung für Kommunikationsthemen nochmal wissenschaftlich zu vertiefen.

In deiner Masterarbeit hast du dich mit der sehr aktuellen Frage beschäftigt, wie die Corona-Pandemie die interne Kommunikation von Unternehmen verändert hat. Welchen Fragen bist du genau nachgegangen?

Der Ausgangspunkt meiner Masterarbeit war ihr Titel: „Zwischen „New Normal“ und „Back to Business“ – wie verändert die Corona-Pandemie die interne Kommunikation in Unternehmen? In Anlehnung daran habe ich mir drei übergeordnete Fragen gestellt und im Zuge meiner Arbeit beantwortet:

  • Wie unterscheidet sich die „alte Normalität“, also der Status Quo vor der Pandemie, vom „New Normal“ der internen Kommunikation?
  • Soll dieses „New Normal“ auch Post-Corona erhalten bleiben?
  • Und falls ja, welche Schritte sind notwendig, um das „New Normal“ zum „Normal“ zu transferieren?
Judith stellte bei dem BdKom Talent Award ihre Forschungsergebnisse vor. © BdKom/Laurin Schmid

Diese Fragen zeigen, dass ich mich primär mit Veränderungsdynamiken der internen Kommunikation beschäftigt habe. Mir ging es in einem ersten Schritt darum, herauszufinden, was sich im Zuge der Pandemie verändert hat. Darauf aufbauend habe ich Handlungsempfehlungen entwickelt, wie sich die interne Kommunikation zukunftsfähig ausrichten kann. Die wissenschaftliche Grundlage der Arbeit stellen Interviews dar, die ich mit internen Kommunikationsmanager*innen geführt und anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet habe.

Was können wir vom „New Normal“ lernen?

Was hast du herausgefunden?

Besonders eindrücklich war der Bedeutungsgewinn der internen Kommunikation. Alle meine Interviewpartner*innen waren sich einig, dass die interne Kommunikation seit der Pandemie unternehmensintern besser vernetzt, sichtbarer und einflussreicher geworden ist. Ebenso auffällig war, dass die CEO- und Führungskommunikation seit Beginn der Pandemie wichtiger geworden ist. In einer so komplexen Situation haben sich viele Menschen Orientierung gewünscht. Führungskräfte wurden daher oftmals kommunikativ eingebunden, um Sachverhalte zu erklären und wichtige Kommunikationsbotschaften nochmals hervorzuheben.

Inhaltlich gesehen, dominierten corona-bezogene Themen die interne Kommunikation. Das ist wenig verwunderlich. Interessanter ist, dass sich in vielen Unternehmen die Tonalität verändert hat. Handlungsempfehlungen wurden meist sehr ernst kommuniziert, während andere Themen sehr viel persönlicher und emotionaler formuliert wurden als vor Corona. Außerdem waren digitale Kanäle die absoluten Pandemie-Gewinner. Viele Befragte bemerkten, dass Mitarbeiter*innen und Führungskräfte neuen Kanälen gegenüber offener eingestellt waren als zuvor. Dadurch nutzen zahlreiche Unternehmen die Pandemie, um neue Kanäle und Formate auszuprobieren. Das war auch in vielen Fällen dringend erforderlich, weil es aufgrund von Homeoffice, Kurzarbeit und Abstandsregelungen noch schwieriger wurde, Mitarbeiter*innen kommunikativ zu erreichen. Zusammenfassend kann man also festhalten: Die Pandemie hat in vielen Unternehmen zu einem „New Normal“ in der internen Kommunikation geführt.

„New Normal“ ist ein gutes Stichwort. Wir hoffen ja alle, dass die Pandemie irgendwann auch wieder vorbei ist und wir zur Normalität zurückkehren können. Dass es aber die gleiche Normalität sein wird wie vor Corona, zweifeln viele an. Zahlreiche Unternehmen haben bereits entschieden, dass ihre Mitarbeiter*innen auch zukünftig einen Teil ihrer Arbeit im Homeoffice erledigen können. Das könnte bedeuten, dass die interne Kommunikation auch nach der Pandemie vor ähnlichen Herausforderungen steht wie währenddessen. Hast du Learnings identifiziert, die wir in das „New Normal“ mitnehmen sollten?

Ja, eines der wichtigsten Learnings ist: Es gibt nicht das eine „New Normal“, sondern jedes Unternehmen hatte und hat sein individuelles. Die Ausgangssituationen meiner Interviewpartner*innen waren teilweise sehr unterschiedlich. Manche waren schon sehr digital aufgestellt, andere mussten mit Beginn der Pandemie erstmal verschiedenste Kommunikationskanäle einführen. Daher gibt es keine Empfehlungen, die perfekt auf alle Unternehmen passen.

Aber ein wichtiger Punkt, den viele Unternehmen auf dem Weg ins „New Normal“ berücksichtigen können, ist die Vernetzung. Die interne Kommunikation verfügt seit der Pandemie über viele neue Kontakte. Diese sollte sie nutzen, um Unternehmensmitglieder zu beraten, wie sie ihre Themen unternehmensintern bestmöglich platzieren. Die damit verbundene Maxime lautet folglich: „Weniger Silodenken, mehr Wissen teilen“.

Eine weitere Handlungsempfehlung bezieht sich auf die Herausforderung „Mitarbeitende at home – ohne Office und Unternehmensbezug“. Sie bezieht sich darauf, dass es schwierig war, die Unternehmenskultur auch im Homeoffice erlebbar zu machen. Und hier kommt die interne Kommunikation ins Spiel: Sie sollte die Werte und Normen des Unternehmens kommunikativ aufgreifen und gemeinsam mit anderen Abteilungen, z. B. anhand von Workshops, überlegen, wie auch die Unternehmenskultur langfristig gesehen digitalisiert werden kann.

Eine dritte Erkenntnis meiner Arbeit ist auf den ersten Blick vielleicht etwas ungewöhnlich. Sie lautet: Schnelligkeit nicht um jeden Preis. In der internen Kommunikation wollen wir eigentlich ja immer schnellstmöglich informieren. In der Pandemie hat sich aber gezeigt, wie wichtig es ist, dass die interne Kommunikation verifizierte Inhalte verbreitet. Denn wer oft revidieren muss, büßt auf die Dauer an Glaubwürdigkeit ein. Im schlimmsten Fall könnte die interne Kommunikation irgendwann nicht mehr als zuverlässige Informationsquelle wahrgenommen werden. Das gilt es zu verhindern!

Nun kümmerst du dich bei IKEA Deutschland zusammen mit einem Team von Kolleg*innen um die interne Kommunikation. Kannst du die Erkenntnisse aus deiner Masterarbeit hier nutzen?

Auf jeden Fall! Ich habe dank meiner Masterarbeit einen guten Überblick über aktuelle Fragestellungen in der internen Kommunikation erhalten. Dieses Wissen hilft mir dabei, Themen, die mir bei IKEA begegnen, besser einzuordnen. Auch die Handlungsempfehlungen, die ich im Rahmen meiner Thesis konzipiert habe, können manchmal gute Impulsgeber sein. Zum Beispiel die vorhin erwähnte Maxime, erst aktiv intern zu kommunizieren, wenn alle Informationen mit hoher Sicherheit korrekt und abgestimmt sind, ist im schnelllebigen Kommunikationsalltag etwas, was ich mir immer mal wieder vor Augen führe. Außerdem freut es mich, dass sich ich bei IKEA aktiv miterleben kann, wie sich die Fragestellungen aus meiner Masterarbeit in der Praxis weiterentwickeln! Beispielsweise sind wir bei IKEA sehr aktiv dabei, andere Abteilungen kommunikativ zu beraten. Dass diese Empfehlung aus meiner Masterarbeit bei IKEA bereits gelebte Praxis ist, ist natürlich auch eine schöne Erkenntnis 😉

Judith (3. v. l.) bei der Preisverleihung des BdKom Talent Award. © BdKom/Laurin Schmid

Danke für das interessante Gespräch! Ihr möchtet einen weiteren Blick hinter die Kulissen von IKEA werfen? Wir stellen euch unsere People & Culture Managerin Nicole vor!


Über die Autorin: Isolde Debus-Spangenberg

Bei IKEA Deutschland kümmere ich mich um all die spannenden und interessanten Themen, die IKEA als Unternehmen betreffen. Mein Lieblings-IKEA Möbel ist der gute alte BILLY – das beste Bücherregal der Welt und außerdem ein Alleskönner, den ich mit Türen auch als Schuhschrank nutze. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir mehr Zeit für die vielen Dinge wünschen, die ich gern mal machen würde.