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Projekt Urban Gardening, Teil 2: Lass sprießen

Wie kannst du dir den Traum von mehr Grün auch in der Stadtmitte erfüllen? In Teil 1 haben wir uns mit Mitgliedern der Stadtgartenkollektive „Plantparken“ in Malmö, Schweden unterhalten. Jetzt ist es Zeit, den Spaten in die Hand zu nehmen. Zusammen mit Stadtgärtner Will erfahren wir mehr über die ersten Schritte hin zum Stadtgarten.

Urban Gardening: Mehrere Gartenbeete, die mit Holzzäunen umrandet sind, stehen mitten in der Stadt.
Urban Gardening: Mehrere Gartenbeete, die mit Holzzäunen umrandet sind, stehen mitten in der Stadt.

Nach unserem Treffen mit Tamara juckte es uns in den Fingern. Wir wollten auch einen Stadtgarten! Glücklicherweise trafen wir einen weiteren Gärtner von „Plantparken“ Will. Er war gern bereit, uns die ersten Schritte für einen Stadtgarten zu zeigen.

Will ist ein in Malmö lebender Australier. Neben seinem Beet in „Plantparken“ hat er weitere 2 Stadtgärten. Außerdem ist er Teilhaber eines Weinbergs.

Obwohl er den Beruf nie gelernt hat, bezeichnet er sich inzwischen gern als Gärtner.

„Gärtner? Aber sicher! Naja, irgendwie eher ein Rock'n'Roll-Gärtner. Aber jetzt mal ganz im Ernst. Ich genieße es einfach, Dinge anzubauen und sie mit meinen Freunden zu teilen.”

Will ist schon ein paar Jahre mit von der Partie bei „Plantparken“. Dadurch hat er gelernt, was es bedeutet, in einem eher ungewöhnlichen Umfeld erfolgreich etwas anzubauen.
„Meiner Meinung nach kannst du überall etwas anbauen. Du musst nur wissen, welche Pflanzen sich für die jeweiligen

Bedingungen eignen. Ich habe Beete, die sonnenverwöhnt sind. Andere sind eher feucht, schattig oder liegen in einer Windschneise. Da ist einfach entscheidend, was du anbaust. Wenn es eher ein windiges Fleckchen mit guter Erde ist, ist Wurzelgemüse eine gute Idee. Eine schattige, windgeschützte Stelle hingegen eignet sich vielleicht eher für Zitronenmelisse oder Thymian.“

Seine Tipps zum Stadtgärtnern bauen alle auf eine sorgfältige Beobachtung des Anbauortes auf.

„Das Gesamtambiente ist wichtig. Ist es sonnig dort? Eher schattig? Wie ist es um den Boden bestellt? Danach schaue ich mir die Nachbarschaft an. Manchmal nehmen Leute einfach Pflanzen mit. Wenn das der Fall ist, halte ich meinen Garten eher unauffällig. Besonders, wenn ich nicht so oft dort sein kann. Oder ich baue an einer Stelle an, die jeder kennt, so wie hier.”

Der Teil des Gartens, den Will uns geliehen hat, ist seit einer Weile nicht bebaut worden. Wir haben schon mal Gras gezupft und die Fläche mit dem Rechen bearbeitet.

Gärtner? Aber sicher! Naja, irgendwie eher ein Rock'n'Roll-Gärtner. Falls es sowas gibt.

Will, Stadtgärtner aus Leidenschaft

Der erste Schritt ist, die Anbaufläche vorzubereiten.

„Wenn du in der Stadt anbauen willst, ist die dort vorhandene Erde häufig nicht dafür geeignet”, weiß Will. „Oft befindet sich im Boden Bauschutt. Manchmal sind auch Abfälle in der Erde. Daher ist die einfachste Lösung für ein solches Anbaugebiet häufig ein Hochbeet, bestückt mit gekaufter Erde oder Erde aus einer unverschmutzten Gegend. Oder noch besser: eine Mischung aus beidem.“

Aber zuerst müssen die Hochbeete von innen verkleidet werden.

„Es ist sehr wichtig, die Hochbeete von innen zu verkleiden. Dafür eignen sich Abfallbeutel, aber du kannst auch gekaufte Pflanzsäcke verwenden. Sie halten die Erde an Ort und Stelle, speichern Feuchtigkeit und verhindern das Wachstum von Unkraut. Ich tackere sie meistens von innen am Hochbeet fest.“

Sobald die Hochbeete von innen beschichtet sind, werden sie mit Erde befüllt. Danach gibt es mehrere Möglichkeiten, etwas darin anzubauen. Früh in der Anbausaison sät Will gerne Samen aus, weil die Pflanzen sich so von Anfang an an die Umgebung gewöhnen. Die Aussaat ist dabei recht einfach.

„Einfach die Anleitung lesen und loslegen. Generell kann man aber sagen, ein Samen pro Vertiefung, ca. 2-3 cm tief. Etwas anwässern und dann etwas Erde darüberstreuen, damit ein gutes Mikroklima entsteht. Dann noch einmal gießen. So wachsen sie irgendwann fast automatisch.“

Und dann heißt es warten

„Am Anfang scheint es, als würde nicht viel passieren. Und dann sind sie einfach plötzlich überall. Zu diesem Zeitpunkt kannst du dir deine Aussaat noch einmal anschauen und eventuell ineinandergewachsene Pflänzchen voneinander trennen. Pflanzen wie Kürbis, Zucchini und Co. wachsen wie verrückt. Wenn es dann in deinem Beet etwas voll wird, kannst du sie an eine neue Stelle umsetzen oder einen Teil einfach wieder kompostieren.“

Für alle, die weniger Geduld haben, sind robuste Kräuter vielleicht eine Alternative.

„Kräuter haben den Vorteil, dass man sie fast von Anfang an ernten kann. Und obendrein ist beim Anbau fast nichts falsch zu machen: Einfach ein Loch graben, das Loch wässern und dann deine Setzlinge hineinsetzen.“

Und hier Wills dritte Pflanzmethode: Er setzt Pflanzen gerne um. Will erklärt, dass dies eine seiner Lieblingsmethoden ist, weil die Pflanzen bereits an die Umgebung gewohnt sind. Außerdem kann man so sein Gemüse und seine Pflanzen mit anderen Gärtnern teilen und kommt so ins Gespräch.

„Ein ehemaliger Gärtner hier pflanzte einmal jede Menge Artischocken, die sich inzwischen durch Wildaussaat weitervermehrt haben. Sie lassen sich wunderbar umsetzen, indem du sie um die Zwiebel herum ausgräbst und dann in dein Hochbeet pflanzt. Bei Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch geht das genauso gut.“

Wills nächster Pflanzentipp benötigt die Hilfe ein paar geflügelter Freunde.

„In der Stadt gibt es meist nicht genug Bienen. Daher pflanze ich immer ein paar Blumen, um sie anzuziehen und so ihre Bestäubungsfähigkeiten für meinen Anbau zu nutzen. Ganz davon abgesehen, dass die Blumen natürlich auch toll aussehen!“

Für mich ist Gärtnern wie Urlaub vom Alltag. Hier kann ich runterschalten, langsamer machen. Und bin von Natur umgeben.

Will, Stadtgärtner aus Leidenschaft

Vielen Dank an Will, dass er uns ein Plätzchen für unseren Garten geliehen und uns gezeigt hat, wie der Anbau funktioniert. Wir werden unseren Garten den ganzen Sommer über begleiten und am Ende der Saison in einem letzten Teil unserer Serie berichten, wie alles gewachsen ist.

Von
Inneneinrichterin: Emilia Ljungberg
Digital Designer: Lasse Johansson
Text: Jamie Rynd
Fotografie: Andrea Papini
Redaktion: Linda Harkell