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Die Entstehung des urbanen Wohnzimmers

In unseren Städten entsteht eine neue Art öffentlicher Raum. Flexibel gestaltet und gemeinsam genutzt sind diese Orte für alle zugänglich – eine clevere und inklusive Antwort auf die Herausforderungen der Verstädterung …

Eine Person steuert ein Floß mit einem Sofa darauf über ein Fluss. Am Flussufer sind viele Menschen zu sehen.
Eine Person steuert ein Floß mit einem Sofa darauf über ein Fluss. Am Flussufer sind viele Menschen zu sehen.
COBE-Gründer Dan Stubbergaard sitzt auf ein paar Stufen.

Zu Hause im öffentlichen Raum

„Die Veränderung der Einstellung von Menschen zu mehr Aktivitäten im öffentlichen Raum ist sehr interessant”, sagt Dan Stubbergaard, Gründer der Kopenhagener Architekturfirma COBE. „Das Konzept vom privaten Raum als ein Zuhause mit Wohnzimmer und Sofa hat sich verändert. Immer mehr Menschen sind bereit, ihre Couch woanders aufzustellen. Manchmal sogar buchstäblich, z. B. um am Hafen eine entspannte Zeit zu verbringen. Oder um sich woanders eine Couch zu suchen.”

Viele Menschen auf einem offenen Platz mit Stufen. Entlang der Seiten sind Buden zu sehen, in der Mitte ein stark genutzter Sportbereich.
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Wie macht man eine Stadt einladend für alle? Den Parkplatz am Israels Plads unter die Erde zu verlegen, hat einen Ort für Entspannung und Sport geschaffen und diesen ungenutzten Funktionsbereich in einen gut angenommenen Bereich mit Erholungscharakter verwandelt.
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Dan Stubbergaard, founder, COBE Architects

Ein hoher Altbau mit Graffiti auf der Hausflanke. Darauf steht zu lesen ‚one man’s trash another man’s treasure’, also ‚Für den einen ist des Abfall, für den anderen ein Schatz.′

Transformation als Ressource verstehen

„Architekten müssen mehr können als schöne Designs. Wir müssen Anteil nehmen, uns in Gesellschaft und an Debatten beteiligen – besonders jetzt, wo wir entscheidende Veränderungen in unserer Nutzung von Ressourcen umsetzen müssen. Statt bei Null anzufangen, müssen wir unsere Abfallhäuser in Schätze verwandeln, indem wir aus dem, was wir bereits haben, Potenzial machen. Zum Beispiel durch die Verwandlung eines alten Getreidespeichers in Wohnungen und öffentlichen Raum.”

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Die zwei wichtigsten Dinge an der Arbeit sind für uns, Städte zu schaffen, die sozial heterogen sind und den Klimawandel thematisieren. Wir müssen die Frage stellen, wie wir die Ressourcen unseres Planeten sinnvoll nutzen können.
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Dan Stubbergaard, founder, COBE Architects

Ein großes Gebäude in Blockelementen, überzogen mit goldfarbenem Metall
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Die Nordvest-Bibliothek ist ein Gebäude mit vielen Wohnzimmern – hier gibt es einen 3D-Kinderspielplatz der Bücher, einen Ruheraum, eine Jugendbibliothek für Workshops und eine Konzerthalle, die in der Gemeinde gut angenommen werden.
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Dan Stubbergaard, Gründer von COBE Architects

Zwei Personen sitzen auf einer Bank in einem Garten vor einem Gebäude, das in goldfarbenes Metall gehüllt ist.

Ein Gebäude kann Veränderungen anregen

„Ein neues Gebäude von kultureller Bedeutung in einem sozial schwierigen Gebiet anzusiedeln kann alles verändern”, sagt Dan. „Eine Bibliothek z. B., in der ältere Menschen oder Elterngruppen sich treffen, Obdachlose Zeit verbringen oder Kinder sich nach der Schule aufhalten können. Auch ein Kindergarten kann zu einem kulturellen Ort werden, wenn abends dort die Menschen der Gegend zusammenkommen. Der Raum wird auf diese Weise zu einem Scheinwerfer, der die Ansässigen neugierig macht. So entsteht ein urbanes Wohnzimmer.”

Zwei Personen sitzen in einer Nische in einer Wand, die mit Holzstreben verkleidet ist. Vor ihnen sind ein Tisch und Stühle zu sehen.
Eine Person radelt unter dem vorstehenden Dach eines Gebäudes mit Metallsäulen hindurch.

Nicht einfach nur auf Durchreise

„Für eine Städtenetwicklung, die Menschen ein gutes Leben ermöglicht, spielen bestimmte Themen und Ideen eine Rolle”, sagt Dan. „Dazu gehört zum Beispiel auch, Infrastrukturen wie einen Busbahnhof als öffentlichen Raum zu begreifen und nicht nur als eine Möglichkeit, von A nach B zu kommen. Hier gehören Plätze hin, an denen du dich sonnen kannst. Und fast von allein wird aus ungenutztem Raum ein strahlender, urbaner Ort.”

Eine orangefarbene Radfahrerbrücke schlängelt sich über einen Fluss und Beton.
Kinder springen in einen Fluss. Im Hintergrund sind Wohnhäuser zu sehen.
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Menschen ziehen nicht nur in Wohnungen oder Häuser, sie ziehen in eine Nachbarschaft! Hier kannst du dich entweder abkapseln oder integrieren. Ich glaube, dass eine wichtige Rolle dabei spielen, einander mit einzubeziehen.
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Anne Skovbro, CEO von By & Havn

CEO von By & Havn, Anne Skovbro.

Design für neue Lebensweisen

Ein Großteil der Arbeit von COBE wurde in Kopenhagen in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem staatlichen Entwicklungsunternehmen By & Havn durchgeführt. „Ein Gefühl für den Ort zu entwickeln ist die Voraussetzung”, sagt die CEO von By & Havn CEO, Anne Skovbro. „Dafür müssen wir das Thema Alltag verstehen und wie sich neue Trends auf ihn auswirken. Wir sehen viele Familien in die Stadt ziehen, aber auch alleinstehende, ältere Menschen. Diese Fakten müssen wir in die neuen urbanen Nachbarschaften übersetzen lernen.”

Von
Fotografie: Rasmus Hjortshøj – COAST, Thomas Krarup